Der Geächtete Zirkel

Der Geächtete Zirkel ist eine Magiergilde, die das Leben von Piraten führt und die Gewässer des Gwandalischen Meeres heimsucht.
Früher waren die Magier des Geächteten Zirkels ein Geheimbund innerhalb der Wissenshüter von Shembanyor, der bedeutendsten Magiergilde von Ganiordaes.
Die Mitglieder dieses Geheimbunds, der sich ursprünglich der Goldene Zirkel nannte und fast ausschließlich aus hochrangigen Mitgliedern der Wissenshüter bestand, waren mit dem vorrangigen Ziel der Wissenshüter – dem Auffinden und Archivieren magischen Wissens – unzufrieden.
Den Magiern des Goldenen Zirkels ging es darum, Reichtum zu erwerben und die Ressourcen der Wissenshüter dazu zu nutzen, Geld zu verdienen.
Heimlich begannen die Mitglieder des Goldenen Zirkels damit, Abschriften seltener magischer Schriften und Zauberbücher an reiche Sammler und andere Arkanisten zu verkaufen.
Später gingen sie weiter und begannen auch damit, ungewöhnliche und seltene magische Gegenstände, deren Herstellungsprozesse sie dem Arkanen Archiv der Gilde entnahmen, selbst herzustellen und zu verkaufen.
Schnell erwarben die Mitglieder des Geheimbunds Reichtum, doch anstatt sich zufrieden zu geben, gierten sie nach mehr und begannen, ihre ursprünglichen Prinzipien zu verraten.
Sie erweiterten ihren diskreten und vertrauenswürdigen Kundenkreis und begannen, ihre Dienste auch zwielichtigen Personen, wie den Fürsorgern (einer berüchtigten Diebesgilde aus Gvanifay) anzubieten.
Das Ende des Goldenen Zirkels wurde eingeleitet, als über Mittelsmänner die Pestkönigin Aralaika an die Magier herantrat und ihnen ein äußerst lukratives Angebot unterbreiten ließ.
Zuerst waren die Mitglieder des Goldenen Zirkels unschlüssig, ob sie sich auf ein Geschäft mit einer erklärten Feindin des Reiches Ganiordaes einlassen sollten und es kam zu argen Meinungsverschiedenheiten, die fast die Spaltung und den Zerfall des Geheimbundes zur Folge gehabt hätten.
Orvandus Braskolyr, ein Thaumaturg, der zu Nortuma betete und auch eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung des Bundes war, machte kurzen Prozess mit jenen Mitgliedern, die einem Geschäft mit der Pestkönigin kritisch gegenüber standen.
Diese Morde, die 950 n.K. großes Aufsehen in Shembanyor auslösten und wegen denen der Damar von Ganiordaes Ermittler zur Aufklärung der Todesfälle entsandte, hätten fast zu einer Entdeckung des verschlagenen Geheimbundes geführt.
Orvandus, eines der einflussreichsten Mitglieder der Wissenshüter, konnte durch geschickte Manipulation und Bestechung jedoch verhindern, daß die Ermittler den Geheimbund aufdecken konnten.
Im Jahre 956 n.K. wurde jedoch von Soldaten des Damar ein geheimer Stützpunkt der Pestkönigin in den südlichen Slaadspitzen nahe Haglas entdeckt und gestürmt.
In den Höhlen, die den Anhängern der Höllenfürstin als Unterschlupf dienten, trafen die Soldaten neben Teufeln auch zwei Magier an, die hoch angesehene Mitglieder der Wissenshüter von Shembanyor waren und zwecks Verhandlungen mit Aralaikas Mittelsmännern dort weilten.
Im Rahmen der darauf folgenden Verhöre kam das gesamte Ausmaß der verräterischen Machenschaften des Geheimbunds ans Licht.
Die Soldaten des Damar schwärmten sofort aus, um die Angehörigen des Bundes festzunehmen, doch einigen – darunter auch Orvandus – gelang die Flucht.
Jene Magier, die von den Häschern des Damar gefasst wurden, wurden allesamt wegen Hochverrat gegen ihr Heimatland hingerichtet. Die entkommenen Mitglieder des Geheimbunds wurden vom Damar für vogelfrei erklärt und hohe Kopfgelder auf ihre Ergreifung ausgesetzt.

Das Aufdecken ihrer Machenschaften setzte den Geschäften der skrupellosen Magier allerdings kein Ende.
Orvandus ließ sich in der Piratenhochburg Orgish nieder, wo er vor den Häschern des Damar sicher war, und sammelte seine überlebenden Gefährten um sich.
Der Reichtum und die magischen Schriften, die die Geflohenen bei ihrer Flucht in Sicherheit bringen konnten, nutzten die Magier, um eine Bande unbarmherziger Piraten um sich zu scharen und ihre Geschäfte wieder aufzunehmen.
Seitdem verschacherte Orvandus die Dienste seiner Gemeinschaft, die mittlerweile als der Geächtete Zirkel bekannt war, an jeden, der die horrenden Preise für ihre Dienste bezahlen konnte.
Der Geächtete Zirkel handelte weiter hauptsächlich mit magischen Gegenständen, begann jedoch nach und nach seinen Wirkungskreis zu erweitern.

Heute verdient der Geächtete Zirkel sein Gold noch immer hauptsächlich mit magischen Gegenständen, doch seine Mitglieder stellen sich auch als Soldmagier in die Dienste von jedem, der es sich leisten kann.
Einige der reichsten Piratenkapitäne Orgishs beschäftigen Magier des Geächteten Zirkels als Leibwächter oder auch als Meuchelmörder.
Neben diesen lukrativen Einnahmequellen haben sich die Magier des Geächteten Zirkels auch der Piraterie zugewandt.
Allerdings ist der Zirkel bei der Auswahl seiner Opfer äußerst wählerisch.
Die Magier gieren vor allem nach magischen Gegenständen und arkanen Schriften, die ihnen für ihre Geschäfte von Nutzen sein könnten.
Ihre bevorzugten Ziele sind deshalb Schiffe, die im Dienste ihrer ehemaligen Gildenbrüder von den Wissenshütern Shembanyors segeln oder die aus Reichen stammen, die für ihren Hang zur Magie bekannt sind; wie beispielsweise Gwendell oder Craethan.
Wenn Mitglieder des Geächteten Zirkels gewöhnliche Handelsschiffe oder auch Sklavenfahrer überfallen, tun sie dies entweder im Dienste eines Auftraggebers oder um Komponenten habhaft zu werden, die sie für ihre Magie benötigen.
Der Geächtete Zirkel hat weitreichende Kontakte in ganz Angraenor und darüber hinaus.
Prominente Kunden des Geächteten Zirkels sind beispielsweise der Eiserne Leichnam Tandiaks, die geheimnisvolle Medusa Joleskrit (Herrscherin von Caliphor) und nach wie vor die gefürchtete Pestkönigin Aralaika.
Auch wenn der Geächtete Zirkel bevorzugt im Gwandalischen Meer operiert, lenken die Magier ihre Schiffe für den richtigen Preis in alle Herren Länder.
Die gefürchtete Flagge des Zirkels – ein aufgeschlagenes Zauberbuch in einem Ring aus Ketten – wurde schon in den Reichen von Nova Bakairis, Mandrill oder Tenkurru gesehen.

Über die genaue Anzahl der Mitglieder des Zirkels – die überwiegend Menschen sind – ist wenig bekannt; es wird jedoch vermutet, daß es mindestens dreißig Magier sind, die als vollwertige Mitglieder gelten. Anführer des Zirkels ist noch immer Orvandus Braskolyr, der den Titel eines Großmeisters trägt und unangefochtenes Oberhaupt der Gilde ist.
Gerüchten zufolge herrscht rege Konkurrenz unter den Gildenangehörigen, die um lukrative Aufträge und einträgliche Prisen wetteifern, um in den Augen des Großmeisters Ansehen zu erlangen.
Diese Konkurrenz kann teilweise sehr hässliche und blutige Ausmaße annehmen, führt jedoch niemals zu Verrat oder Handlungen, die der Gilde schaden könnten.
In einem solchen Fall sähe sich ein Zirkelmagier nämlich nicht nur seinem wütenden Konkurrenten, sondern dem Zorn der ganzen Gilde ausgesetzt, was einem Todesurteil gleich käme.
Der Geächtete Zirkel rekrutiert neue Mitglieder bevorzugt unter den Wissenshüter von Shembanyor.
Die Hüter des Arkanen Archivs fürchten die abtrünnigen Gildenbrüder, die immer wieder Mitglieder der Wissenshüter in Versuchung führen, sich ihnen anzuschließen. Üblicherweise verlangt der Zirkel ein wertvolles, magisches Buch oder Schriftstück aus dem Arkanen Archiv als Voraussetzung für die Aufnahme in die Gemeinschaft und in ein Leben voll Reichtum und Ausschweifungen.

Die Lage des Hauptquartiers des Geächteten Zirkels ist ein wohl gehütetes Geheimnis. Hartnäckig hält sich das Gerücht, daß es sich in einem weitläufigen und gut gesicherten Labyrinth unter Salzwind, der Hauptstadt von Orgish befindet.
Das Quartier des Zirkels ist vor jeglicher Entdeckung durch Erkenntniszauber oder neugierige Diebe bestens gesichert, denn dort stellt die Gilde die Gegenstände hier, auf denen ihr Vermögen beruht.
Es heißt, die Sammlung seltener magischer Schriften, die den Schwerpunkt auf das Herstellen von magischen Waffen, Zauberstäben und anderen magischen Gegenständen hat, brauche sich mittlerweile nicht mehr hinter dem Arkanen Archiv der Wissenshüter von Shembanyor verstecken; zumindest nicht in diesem Spezialgebiet.
Angeblich existiert gar kein natürlicher Zugang zu dem unterirdischen Komplex, so daß er nur auf magische Weise zu betreten ist. Gerüchten zufolge existiert auf jedem Schiff der Gilde ein Teleportationskreis, der ausschließlich Mitglieder des Geächteten Zirkels dient und diese direkt in das Quartier transportiert.
Besuchern und Geschäftspartnern wird so gut wie nie Zutritt zum Hauptquartier des Zirkels gewährt.
Die wenigen Außenseiter, die vorgeben, daß unterirdische Quartier des Zirkels gesehen zu haben, berichten von dekadentem Luxus und der protzigen Zurschaustellung unermesslichen Reichtums.
Jeder Zirkelmagier verfügt dort über eigene Zimmerfluchten, Leibdiener und Kurtisanen, die ihm jeden Wunsch von den Lippen ablesen.
Ein ganzer Harem von Lustdamen und –Knaben steht den Gästen des Quartiers rund um die Uhr zur Verfügung. Im Quartier des Zirkels findet man auf magische Weise angelegte unterirdische Gärten, edle Dampfbäder und gut sortierte Bibliotheken für die Kurzweil der Mitglieder.
Jedes Mitglied kann während seines Aufenthaltes im Quartier all’ seinen Lüsten frönen und seien sie noch so abnorm.
Gerüchte über ausschweifende Orgien und perverse Rituale machen immer wieder die Runde.
Eines der größten Laster des Geächteten Zirkels soll die Sucht nach Schwarzem Lotus sein, der viele Mitglieder erlegen sind. Der Wahnsinn, den die unheimliche Droge verursachen kann, macht die Mitglieder der Gilde nur noch gefährlicher. Allerdings ist die Gilde so reich, daß ihre Mitglieder sich diese verheerende Sucht durchaus leisten können.
Meist treffen sich die Angehörigen des Zirkels mit ihren Kunden oder deren Vertretern an Bord eines Schiffes des Zirkels oder in den Anwesen verbündeter Piratenfürsten.
Es gibt auf Orgish mehrere Piratenfürsten, die freundschaftliche Beziehungen zum Geächteten Zirkel unterhalten und für diesen Zweck Räumlichkeiten bereithalten.
Diese Piratenfürsten sind es auch, an die sich Personen wenden, die den Zirkel erstmalig kontaktieren, um über Geschäfte zu verhandeln.
In Salzwind gibt es außerdem eine berüchtigte Taverne, Zum Schwarzen Schafott, deren Inhaber – ein Hobgoblin namens Sheklor Gwill – dafür bekannt ist, Kontakt zu den geächteten Magiern herzustellen.

Im Rahmen ihrer Erforschungen und Entwicklungen neuer Gegenstände, haben die Magier des Geächteten Zirkels einige Erfindungen gemacht, die unter Arkanisten und anderen Gelehrten für Aufsehen gesorgt haben.
Eine der bekanntesten und gefürchtetsten Entwicklungen des Geächteten Zirkels ist zweifellos die Säbelspinne; ein unheimliches Konstrukt, das die Gilde bevorzugt auf ihren Kaperschiffen einsetzt.
Die genaue Anzahl der Kaperschiffe des Zirkels ist nicht bekannt, aber es sind mindestens fünf. Einige, wie die mit magischen Waffen bestückte Revolta oder die Zephyr, haben sich über die Jahre einen üblen Ruf erworben.
Wenn eines der Kaperschiffe ausläuft, befinden sich stets mindestens fünf Zirkelmagier und eine ausgesuchte Mannschaft loyaler Piraten an Bord.
Durch das enge Bündnis mit der unheimlichen Pestkönigin befinden sich auch häufig Teufel an Bord des Schiffes, die den Zirkelmagiern als Leibwächter dienen.
Meist handelt es sich um Barbazu (Bartteufel) oder Spinagon (Stachelteufel).
Die Piraten an Bord der Schiffe des Geächteten Zirkels sind immer Männer der Piratenfürsten mit denen die Gilde verbündet ist.
Für die Piratenfürsten ist das Bereitstellen der Besatzung ein äußerst einträgliches Geschäft, denn sie werden großzügig bezahlt und erhalten darüber hinaus die gesamte Beute eines gekaperten Schiffs, für die der Geächtete Zirkel keine Verwendung hat (wie z.B. Gewürze, Sklaven und andere wertvolle Güter).
Um diese äußerst lukrative Verbindung aufrecht zu erhalten, tun die Piratenfürsten alles, um ihre Verbündeten vor Kopfgeldjägern und anderen Feinden des Zirkels zu beschützen.

Bekannte Mitglieder des Geächteten Zirkels:

Orvandus Braskolyr
Der uneingeschränkte Herr und Großmeister des Geächteten Zirkels ist ein mächtiger Thaumaturg. Orvandus ist ein Abkömmling des bedeutenden ganeordischen Adelshauses Braskolyr, stellt für seine Familie, zu der er schon vor langer Zeit jeglichen Kontakt abbrach, eine unerträgliche Schande dar. Gerüchten zufolge haben die Braskolyrs sogar Meuchelmörder angeheuert, um diesen beschämenden Abkömmling ihres angesehenen Hauses zu beseitigen; bisher jedoch ohne Erfolg. Orvandus nimmt heutzutage nur noch selten an Kaperfahrten teil und kümmert sich fast ausschließlich um die Geschäfte der Gilde und den Kontakt zu den Kunden des Zirkels. Orvandus ist ein eifriger Anhänger des Nortuma und es heißt, er habe im geheimen Unterschlupf des Geächteten Zirkels einen prächtigen Tempel zu Ehren seines finsteren Gottes errichtet. Man sagt Orvandus schon seit vielen Jahren eine Liebschaft zu der gefürchteten Pestkönigin Aralaika nach und es geht das Gerücht, daß Orvandus’ teuflischer Sohn Elargus der Spross dieser Verbindung ist.

Elargus Braskolyr
Als Sohn des Großmeisters hat der teufelsblütige Elargus eine besondere Position unter den Magiern des Geächteten Zirkels. Der fähige Beschwörer ist häufig an Bord seines Kaperschiffes Zephyr unterwegs und hält sich nur selten im Quartier der Gilde auf. Elargus ist für seine teuflische Boshaftigkeit bekannt und hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, daß diese das Erbe seiner Mutter, der Pestkönigin Aralaika, ist. Man sagt Elargus nach, daß er süchtig nach Schwarzem Lotus sei und daß dies der Grund dafür ist, daß er bevorzugt Überseefahrer aus dem fernen Mandrill überfällt. Im Jahre 998 n.K. hat Elargus Lilina Braskolyr, seine Kusine und Tochter des Fürsten von Shembanyor entführt. Die Frau ist seither verschollen und ihr Schicksal ungewiss.

Drinor von Flauros
Dieser niederträchtige und gleichzeitig geniale Magier aus Skaliverni ist eines der ältesten Mitglieder des Zirkels. Gemeinsam mit Orvandus gelang ihm die Flucht aus Ganiordaes und es ist vor allem ihm zu verdanken, daß der Geächtete Zirkel seine Geschäfte nach der Entdeckung fortführen konnte, denn Drinor gilt als begnadeter Schöpfer magischer Gegenstände. Drinor von Flauros ist mit der Aufsicht über die geheime Werkstatt der Gilde betraut und kennt alle Geheimnisse der Schöpfungsprozesse, die der Zirkel nutzt. Er gilt außerdem als Schöpfer jener Konstrukte, die als Säbelspinnen bekannt sind. Auf Grund seiner hohen Bedeutung für die Gilde wird Drinor rund um die Uhr von zwei Kython-Leibwächtern beschützt und verlässt das Quartier des Zirkels nur äußerst selten. Er wurde schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und man kann nicht mit Gewissheit sagen, ob der Magier noch am Leben ist.

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