Dhraal (Volk)

Die Dhraal waren das erste menschliche Volk, das sich in Angraenor angesiedelt hat. Wenn man von den Ausläufern des bornesischen Kaiserreichs in Nord-Bornesh absieht, haben die Dhraal die erste Hochkultur Angraenors hervorgebracht.
Sie stammen ursprünglich aus Anghmir, dem alten Reich der Riesen weit im Norden, wo sie Jahrhunderte lang als Volk von Sklaven existierten. Erst der Niedergang des gewaltigen Anghmir schenkte den Menschen der Dhraal die Freiheit und führte sie auf eine Völkerwanderung, die schließlich im Norden Angraenors endete.
Dort machten sie die Emnier, einfache menschliche Nomaden, zu ihren Untertanen und erbauten mit der Stufenstadt Ragnos den Grundstein ihres Reiches.
Das Großreich der Dhraal war über Jahrhunderte hinweg eines der hellsten Lichter am Firmament der Zivilisation, während in großen Teilen Angraenors das Chaos tobte.
Der Verrat der Emnier brachte schließlich den Niedergang des gewaltigen Reiches und die Dhraal an den Rand der Vernichtung.
Auch wenn sich die Zahl der Dhraal seit diesen finsteren Tagen erholt hat, liegt noch immer der Schatten des Untergangs über diesem einst stolzen Volk.

Die Dhraal sind ein hoch gewachsenes, hellhäutiges Volk.
Sie haben überwiegend graues oder schwarzes Haar, das selbst im hohen Alter selten seine Farbe verliert. Männliche Dhraal tragen ihr Haar oft lang und zu Zöpfen geflochten. Ihre Augen sind überwiegend blau oder grün.
Sie haben meist hagere, kantige Züge; von Wetter und Gram gezeichnet.
Dhraal haben kein nennenswertes Talent für Magie oder Psionik. Magier sind unter den Dhraal recht verbreitet, doch Personen mit geistigen Kräften stehen Dhraal meist misstrauisch gegenüber. Psionik ist unter Dhraal sehr selten und wird verabscheut und gefürchtet.
Die Dhraal werden oft als ein trauriges, freudloses Volk beschrieben.
Es heisst, seit dem Untergang des Großreichs und der Geburt des Schattens über dem Reich tragen die Dhraal eine Last mit sich herum; die Schmach der Niederlage, die das Volk von Generation zu Generation weitergibt. Von den stolzen und poetischen Dhraal in denen man in den alten Schriften lesen kann, ist nur ein verschwiegener, grimmiger Schatten geblieben. Die meisten Dhraal sind ernste, schweigsame Persönlichkeiten. Selbst jene, die ein angenehmes Leben ohne irgendwelche Sorgen führen können, wirken oft mürrisch und verdrossen. Die Dhraal sind kein fröhliches Volk und Humor und Gelächter spielt keine große Rolle in ihrem Leben. Seit dem Niedergang ihres Reiches spüren die Dhraal die Bürden der Existenz stärker, als die anderen Völker. Man sagt den Dhraal Mut nach und ein hohes Pflichtgefühl, jedoch auch Kaltherzigkeit und Schwermut.
Dhraal sind von Natur aus keine fröhlichen Personen, doch sie sind nur selten Pessimisten und Schwarzmaler. Die meisten Dhraal sehen das Leben nüchtern und ungeschminkt und machen sich nur selten Illusionen. Diese Eigenschaft lässt sie in den Augen anderer Völker häufig zynisch wirken, doch Dhraal selbst sehen sich gewöhnlich als Realisten.
Die Dhraal sind überwiegend ein ruhiges, gesittetes Volk, das Wert auf Höflichkeit, Respekt und vor allem Distanz legt.
Dhraal sind oft misstrauische Menschen, die nicht schnell Freundschaften schließen und nur wenig über sich preisgeben. Ein Dhraal verrät ungern mehr über sich, als er muss und vor allem nicht Fremden gegenüber. Selbstdarsteller und Prahlhälse sind unter Dhraal auffallend selten. Für Dhraal ist es ein großer Vertrauensbeweis, sich einander etwas Persönliches zu erzählen. Die Privatsphäre ist den Dhraal heilig und unter ihnen gilt es schon als grenzüberschreitend, jemanden zu fragen, wie es ihm geht. Die Gedanken und Empfindungen des Anderen sind für Dhraal unantastbar und Dinge wie Gedanken lesen oder Erkenntniszauber, die das Innenleben einer Person zu Tage fördern, gelten als zutiefst verabscheuungswürdig.
Dennoch schätzen Dhraal Gespräche mit vertrauten Personen. Bei einem Volk, das nicht viel übrig hat für Tanz, Theater oder andere Zerstreuungen haben Gespräche einen hohen Stellenwert und es heisst, Dhraal könnten ewig lange reden, ohne das es ihnen langweilig wird. Dennoch brechen sie dabei nie die Grenzen der Vertraulichkeit und achten stets auf ihre Stimmen. Dhraal unterhalten sich stets so leise, daß Unbeteiligte ihnen nicht zuhören können und die Redensart, daß jemand „flüstert wie ein Dhraal“ rührt daher und bedeutet, daß die Person einfach nicht zu verstehen ist.
Von dem Stolz früherer Tage haben die Dhraal sich ihre sprichwörtliche Ehrlichkeit bewahrt. Als „ehrlich wie ein Dhraal“ bezeichnet man in den Reichen Angraenors Leute, die sich selbst im Anblick der Bedrohung nicht scheuen, die Wahrheit auszusprechen. Die Dhraal scheuen sich gewöhnlich nicht, ihre Meinung zu sagen, selbst wenn es den Zuhörer verärgern könnte. Viele Angehörige anderer Völker empfinden diese Eigenart der Dhraal als provokant und unmanierlich.
Die Dhraal sind stolz auf diese Tradition und einen Dhraal als Lügner zu bezeichnen, gilt als eine der übelsten Beleidigungen, die sich das Volk vorstellen kann. Doch wahrscheinlich gibt es auch unter den Dhraal nicht weniger Lügner, als in anderen Völkern. Ihre stets trübe, unbewegte Miene macht es ihnen leicht, ihre Gefühle zu verbergen. Neben ihrem Hang zu ausgesprochenen Tatsachen legen Dhraal auch viel Wert auf ihr Wort. Ein Versprechen hat unter Dhraal einen hohen Stellenwert und gilt genauso viel, wie ein schriftlicher Vertrag. Anderen Völkern gegenüber sind die Dhraal in dieser Hinsicht misstrauisch, denn sie wissen, daß andere ihr Ehrgefühl nicht immer teilen.
Unter Dhraal gilt ein Wort jedoch als bindend und Zweifel an der Vertrauensseligkeit ist undenkbar. Kaum ein Dhraal, selbst einer, der Böses im Schilde führt, würde sein Wort brechen. Er würde eher versuchen, zu vermeiden, sein Wort zu geben.
Wenn Dhraal sich einer Sache angenommen haben, folgen sie dieser meist mit Hingabe und Beharrlichkeit. Sie sind Widrigkeiten gewohnt und geben nicht leicht auf. Dieser Disziplin haben es Dhraal zu verdanken, daß Dhraal ungewöhnlich viele Meister in ihren jeweiligen Künsten hervorbringen. Die Geschlechter sind unter Dhraal gewöhnlich gleichberechtigt, auch wenn jedes traditionelle Rollen besetzt. Die Domänen männlicher Dhraal sind Politik, Kampf und alles, was mit Handel und Geld zu tun hat, während weibliche Dhraal die Religion, Magie, Bildung und Kunst dominieren.
In jüngster Zeit beginnen sich diese traditionellen Rollen jedoch zunehmend aufzulösen und die Berufung junger Dhraal richtet sich weniger nach Tradition und vermehrt nach deren Talenten.

Man findet die meisten Dhraal noch immer in den Grenzen ihres Heimatreiches und in den umliegenden Ländern. In den Emnischen Feldern, in Vandelari und in Kandamur leben viele Dhraal, doch südlich des Goldenen Stroms werden sie selten.
Die meisten Dhraal fühlen sich dem rauen Klima und dem bitteren Wetter des Nordens verbunden, die ihr Seelenleben so vortrefflich widerspiegeln.
Die Dhraal sind ein zähes Volk, das man nur selten über Regen und Sturm klagen hört. Genügsamkeit gilt unter Dhraal als Tugend und jene, die sich trotz Not und Entbehrungen nicht beklagen, ernten ihren Respekt.
Dhraal leben in unter Menschen üblichen Familienverbänden zusammen. Die Familie ist für die meisten Dhraal äußerst wichtig und Blutsverwandtschaft bedeutet ihnen viel. Jeder Dhraal ist zuerst seiner Familie gegenüber verpflichtet und erst darauf folgen Freundschaften und Liebesverhältnisse.
Die Eltern bleiben für Dhraal ihr ganzes Leben lang Respektspersonen. Nicht selten bitten selbst erwachsene Dhraal ihre Eltern um Erlaubnis, wenn es um Heiraten oder andere wichtige Entscheidungen geht. Dies drückt den tiefen Respekt der Dhraal vor ihren Eltern aus und ein Missachten dieser Sitte gilt unter Dhraal als skandalös.
Dhraal haben einen starken Hang zur Ordnung und sind überwiegend rechtschaffen.
Seit der Schatten von Dhraal das Volk vor der Vernichtung bewahrte, gilt Corbanduu als Schutzgöttin der Dhraal. Die meisten Angehörigen dieses Volkes beten zu ihr und bringen ihr Opfer dar. Auch Klarakni, Drosh und Gondrakuul haben viele Anhänger im Volk der Dhraal. Es gibt mächtige Priester unter den Dhraal, denn nur wenige Völker bringen eine solche Hingabe auf, wie dieses.

Von anderen Völkern und Rassen werden Dhraal oft wegen ihrer Ehrlichkeit und ihren guten Manieren geschätzt. Die meisten Völker, vor allem die Iqueri, haben ein friedliches Verhältnis zu den Dhraal, doch es existieren Ausnahmen. Gwandaliern und Vastarki gegenüber empfinden die Dhraal häufig Misstrauen, doch Feindschaften zu diesen Völkern bestehen nicht. Es sind die gänzlich anderen Ansichten und Lebensweisen dieser Völker, die eine gewisse Distanz heraufbeschwören. Emnier, die ehemaligen Untertanen der Dhraal werden für ihren Verrat, der zum Niedergang des Großreichs führte, noch heute gehasst. Das Verhältnis zwischen Emniern und Dhraal ist bestenfalls frostig, und häufig kommt es zu üblen Auseinandersetzungen. Es gibt Angehörige beider Rassen, die versuchen, mit den Ereignissen der Vergangenheit abzuschließen und unbefangen auf einander zuzugehen, doch diese Personen sind noch immer in der Minderheit. Die Dhraal hassen auch das Volk der Skrigg mit Inbrunst und im Gegensatz zu vielen anderen Völkern dulden sie die Gegenwart der dämonischen Gnome in ihrer Nähe nicht. Auch diese Abneigung legt im Krieg mit den Emnier begründet, deren Bündnis mit den Skrigg den Niedergang der Dhraal besiegelte.

Volksmerkmale der Dhraal
▪ +2 Weisheit, -2 Charisma
▪ Volksbonus von +2 auf Bluffen und Lauschen.
▪ Anfangssprachen: Handelssprache, Dhraalek.
▪ Zusätzliche Sprachen: Emnisch, Anghmarin, Iqueri.
▪ Bevorzugte Klassen: Alle.

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