Die Ansawaari

Als Nortuma sich in den Schatten zurückzog, um seine Wunden nach der Niederlage gegen Xor zu lecken und die Schmach der Niederlage zu verwinden, kam er nicht umhin, seine Handlungen zu hinterfragen und zu ergründen, was ihn daran hinderte, in die höchsten Ränge der Göttlichkeit einzuziehen. Und wie es seine Natur war, betrachtete er seine Widersacher durch den Schleier des Neids. Was hatten jene Götter, das ihm verwehrt war und daß sie so mächtig machte, daß sie gegen seine bodenlose Gier bestehen konnten? Da dachte Nortuma an die Sterblichen mit ihren Seelen, die zu ihren Schöpfern beteten und sie mächtig machten. Krom, Aulet, Sistinas und all’ die anderen höheren Götter nannten Geschöpfe ihr Eigen, die sie selbst geformt hatten und deren Anbetung ihnen ungeahnte Macht verlieh. Und Nortuma begriff, daß er diese Macht nicht erlangen konnte, wenn er kein eigenes Volk hatte, das ihn anbetete. Die Sterblichen, die ihn aus Furcht oder Verehrung anbeten und ihm Opfer brachten waren zu wenige im Vergleich zu den Massen, die zu den Höheren Göttern beteten. Und Nortuma erinnerte sich, wie er dem Schöpfer bei der Geburt der Menschen zur Hand gegangen war; jener sterblichen Würmer, die den Platz einnahmen, der seinem Blute zugedacht war. Zorn auf diese Kreaturen durchströmte den Verstoßenen, als er schließlich begann, sich selbst an das Wunder der Schöpfung zu wagen.
Und er erschuf Kreaturen, die selbst den Dämonengott anwiderten. Er vernichtete diese Missgeburten und nur jene Wesen, die heute als die Yurteki bekannt sind, überlebten seinen Zorn. Nortuma fehlte die Geduld, eine lebensfähige Kreatur zu erschaffen und so ersann er eine Möglichkeit, wie er den schwierigen Prozess der Schöpfung umgehen konnte. Er begann damit, Ebenenwanderer in die Tiefen Schatten zu locken und sie zu versklaven. Nortuma benutzte die unglücklichen Sterblichen als Rohstoff für seine Schöpfung. Er benutzte sie als Grundlage für seine eigenen Schöpfungen, durchwirkte sie mit den Schatten seines Wesens und machte gänzlich neue Kreaturen aus ihnen. Und es gelang Nortuma tatsächlich, eine neue Rasse zu erschaffen, die lebensfähig war; doch diese Wesen waren nicht stärker als die Menschen und ihnen in vielen Aspekten gar unterlegen. Nachkommen dieser namenlosen, verstörenden Kreaturen leben heute noch in den tiefsten Schichten des Unterreichs. Nortuma begriff, daß er Millionen dieser Wesen erschaffen und sie sich Untertan machen müsste, um mit den Höheren Göttern zu konkurrieren und die Herausforderung schreckte sein wankelmütiges Gemüt. Also suchte er nach einem einfacheren Weg, sein Ziel zu erreichen. Er begann, neue Sterbliche mit göttlicher Magie im Blut zu erschaffen und sie mächtig zu machen, damit sie den Elfen, den Menschen und allen anderen Rassen überlegen waren. Die Kreaturen, die Nortuma mit dieser Absicht erschuf, waren die Ansawaari. Sie hatten die Gestalt anderer Rassen, doch sie waren völlig durchwirkt von Schattenessenz und Nortumas Boshaftigkeit. Es waren schreckliche, bleiche, hagere und von Schatten umhüllte Halb-Elementare, doch sie trugen sterbliche Seelen in sich.
Das erste Mal zeigten sich die Ansawaari bei Nortumas Eroberung der Freien Stadt Viviandis im Jahre 355 n.K. auf der Materiellen Ebene. In der Zeit, in der Nortuma in Viviandis weilte, fielen seine Geschöpfe über Severna, San Sarbesi und andere Siedlungen auf der Gwandalischen Halbinsel her und machten ihrem Namen alle Ehre. Das Wort Ansawaari stammt aus dem Bornesischen und bedeutet ‚Plünderer’.
Der erste Ansawaari war ein Thalisier, ein Hexer namens Migaris aus Thêbenor. Dieser schreckliche Mann, der den Legenden zufolge aus freien Stücken zu Nortuma in die Tiefen Schatten ging, zeigte sich in Viviandis als einer der grausamsten Ansawaari und löste später den Schattenkrieg aus.
Ein weiterer Ansawaari, eine Elfenfrau namens Zuur, die möglicherweise das Mächtigste unter Nortumas Wesen ist, erlangte Berühmtheit, als sie 356 n.K. eine Kriegsflotte aus Tandiak, die den Dämonengott vertreiben und die Stadt erobern wollte, fast im Alleingang vernichtete.
Es ist nicht bekannt, wie viele Ansawaari es gibt; die Existenz von mindestens fünf Ansawaari ist jedoch belegt.
Man weiß, daß die Ansawaari völlig gefühlslose und brutale Wesen sind. Nortuma hat sie in dem Glauben erzogen, daß sie die Krone der Schöpfung seien und so ist ihr Verhalten von Hochnäsigkeit und Überheblichkeit gezeichnet. Sie sind männlich und weiblich, doch ob sie in der Lage sind, sich zu vermehren, ist gänzlich unbekannt. Die Ansawaari dienen ihrem göttlichen Herrn als Handlanger und Herolde, doch es ist bekannt, daß Nortuma seine Ansawaari in Viviandis mehrfach züchtigen musste, um sie in Zaum zu halten. Wie es in ihrer Natur liegt, sind die Ansawaari neidisch auf ihren Schöpfer und gieren nach seiner Macht.
Sie sind aufmüpfig und eigensinnig.
Nortuma kann seinen Kreaturen nicht trauen, hält sie mit seiner göttlichen Macht in Schach und zwingt sie zum Gehorsam.
Auch unter den Ansawaari selbst toben erbitterte Rangkämpfe und Gewaltausbrüche und im Grunde sind sie ein misstrauisches Volk von Einzelgängern.
Viele Religionsgelehrte hoffen, daß die Kreaturen früher oder später Nortumas Ende sind, doch andere wiederum fürchten, daß die Wesen tatsächlich in der Lage sind, sich zu vermehren.
Ansawaari sind allesamt mächtige Schattenhexer und fürchterliche Gegner im Kampf. Sie verfügen über beachtliche magische Resistenzen und ihr hagerer Leib ist erstaunlich zäh. Ansawaari bevorzugen magische Klingenwaffen im Kampf. Äußerst empfindlich sind die Ansawaari allerdings gegen psionische Kräfte; eine Tatsache, die der Brennende Zirkel beim Bannen der Nortuma-Brut zu seinem Vorteil nutzte.

Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License