Die Nebelstraße

Die Nebelstraße ist ein Seeweg zwischen den Inseln Pangesha und Orgish.
Sie wird von einer ganzen Kette von gewaltigen Riffen begrenzt, die parallel zur Ostküste Pangeshas verläuft und das Gewässer von den Strömungen des Meeres abschneidet. Sie ist von ihrer nördlichen Einfahrt bis zu ihrem südlichen Ausgang etwa 200 km lang. Im Süden mündet sie in das Monastari-Archipel.
Die Nebelstraße wird häufig von Schiffen benutzt, die es vermeiden wollen, sich der Küste Orgishs zu nähern; meist aus Furcht vor den Überfällen durch die Piraten des Inselreichs.
Das Meer in der Nebelstraße ist stets ruhig und Stürme treten dort nur in den Wintermonaten auf.
Der Seeweg verdankt seinen Namen einem ungewöhnlichen klimatischen Phänomen. Dieses Gebiet ist beständig mit dichtem Nebel bedeckt und nur starke Winde sorgen dort gelegentlich für klare Sicht.
Woher der Nebel kommt, ist gänzlich unbekannt.
Möglicherweise existieren am Grund des Gewässers heiße Quellen, die das Meer erwärmen, was in Verbindung mit kühler Luft zu Nebelbildung führt.
Ein Indiz für diese Theorie könnte die Tatsache sein, daß sich der Nebel, der dieser Wasserstraße ihren Namen verliehen hat, in den heißen Sommermonaten überwiegend nachts entsteht, wenn die Luft merklich abkühlt.
Auch wenn die Nebelstraße vielen Kapitänen, die das Gwandalische Meer von Norden nach Süden durchqueren wollen, sicherer erscheint, als Orgishs Küste, so ist es doch keinesfalls eine ungefährliche Region.
Die offensichtlichste Gefahr ist natürlich die schlechte Sicht in der Nebelstraße, die Seefahrer zum Loten zwingt, wenn sie niemanden an Bord haben, der mit der Region vertraut ist. Unerfahrene Seefahrer meiden den Weg durch die Nebelstraße.
Es gibt zahlreiche Untiefen, Riffe und Wracks, die eine ernste Gefahr für den Rumpf durchfahrender Schiffe darstellen.
Die Passagen der Nebelstraße sind an einigen Stellen sehr eng oder werden von tückischen Strömungen heimgesucht.
Die Nebelstraße ist ein sehr fischreiches Gewässer und wird gern von Piraten oder Schmugglern als vorübergehendes Versteck genutzt, wenn ihnen das Goldenen Geschwader oder andere Piratenjäger auf den Fersen sind.
Man kann mit einem angemessenen Vorrat an Trinkwasser lange Zeit in der Nebelstraße ausharren, ohne irgendwo landen zu müssen.

Eine weitere Gefahr für Seefahrer – vor allem für solche, die über Nacht vor Anker gehen – sind die Stämme primitiver Echsenmenschen, die an Pangeshas Ostküste hausen. Viele dieser Wilden beobachten die Nebelstraße und fahren nachts oder im Schutz der Nebel mit ihren Einbäumen auf das Gewässer hinaus, um Jagd auf ankernde Schiffe zu machen. Die vorüberfahrenden Schiffe sind ein Quell des Reichtums für diese wilden Humanoiden, denn viele von ihnen sind Kannibalen, die – neben wertvoller und nützlicher Ladung – vor allem nach Reisenden suchen, die sie verspeisen können. Die Echsenmenschen haben es bei ihren Raubzügen vor allem auf Waffen, Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände abgesehen und machen sich nur wenig aus Reichtümern; mit Ausnahme von Schmuck und Edelsteinen.
Als Opfer zum Verspeisen bevorzugen sie Menschen, Hobgoblins und ihre eigenen entfernten Verwandten; die Sargon.
Viele der primitiven Stämme glauben, daß durch das Auffressen die Kräfte und Fähigkeiten dieser kulturell überlegenen Völker auf sie übergehen.
Die Echsenmenschen gelten jedoch als vorsichtig, greifen nur im Schutz der Nacht an und bevorzugen heimliche Überfälle gegenüber offensichtlichen Angriffen.
Die meisten dieser Wilden fürchten die Waffen und magischen Kräfte der zivilisierten Völker und greifen nur offen an, wenn sie zahlenmäßig deutlich überlegen sind. Besonders kluge Stämme von Echsenstämmen und solche, die die Handelssprache sprechen, verzichten auch auf Überfälle und verlangen Wegezoll von Vorbeireisenden im Tausch gegen friedliches Passieren ihrer Stammesgebiete.
Manche der Echsenvölker treiben auch Handel mit Gulgush, einer heimtückischen Droge, die sie aus dem Speichel bestimmter Sumpfechsen gewinnen.

Die Nebelstraße ist jedoch auch ein Gebiet, das für unheimliche Phänomene bekannt ist.
Seefahrer erzählen sich in den Häfen des Gwandalischen Meeres von seltsamen Lichtern und Elmsfeuern, die in nebligen Nächten in den Masten der Schiffe aufleuchten. Andere berichten von Geistererscheinungen und klagenden Stimmen die übers Wasser hallen. Die Piraten Orgishs meiden die Nebelstraße und glauben, daß es ein verfluchtes Gewässer ist.
Die Rippen des Roknyr, eine Region in der gewaltige versteinerte Rippen und Schuppenkämme aus den Fluten ragen, dürfte zu den unheimlichsten Gebieten der Nebelstraße gehören. Gelehrte vermuten, daß es sich um die Überreste einer monströsen Bestie handelt, die lange vor den ersten Sterblichen in der noch jungen Welt herrschte. Einige Barnazul-Kulte glauben, daß dies die Überreste des legendären ersten Drachen Roknyr sind und unternehmen manchmal Wallfahrten in dieses entlegene Gewässer.
Ein Gebiet namens Shaitans Feld ist eine andere, unheimliche Passage der Nebelstraße. Der Nebel ist mir meist ungewöhnlich dick, so daß man nur wenige Meter weit sehen kann. Ein Kapitän kann dort nicht nach Sicht navigieren, sondern muss sich auf sein Lot, seine Karten und seinen Kompass verlassen.
In diesem Gebiet verschwinden immer wieder Seeleute und gelegentlich auch ganze Schiffe durch den Angriff schwarzer Tentakeln aus der Tiefe. Unter den Seefahrern Orgishs hält sich der Glaube, daß es sich bei dem Ungeheuer, das für diese Katastrophen verantwortlich ist, um den dämonischen Kraken Shaitan handelt, der um 700 n.K. die bornesische Küste heimsuchte und unzählige Schiffe versenkte.

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