Die Unterstadt von Grauflucht

Die folgende, kurze Abhandlung stammt aus der Feder des angesehenen Historikers Kalvynn Kravning aus Korsinth und wurde im Jahre 992 n.K. im Auftrag der geographischen Gesellschaft von Severna angefertigt.

Kaum einer der unbescholtenen Bürger Graufluchts verschwendet bei seinen täglichen Spaziergängen durch die lebendigen Strassen der Stadt einen Gedanken daran, was es in den dunklen Regionen unter seinen Füßen zu entdecken gibt.
Und damit ist nicht die verwinkelte Kanalisation unterhalb der Straßen gemeint, sondern jene Gebiete, die noch tiefer liegen und über die heutzutage kaum jemand mehr etwas zu wissen scheint…
Die Metropole Grauflucht wurde zum größten Teil auf festem Fels, teilweise jedoch auch auf Sumpfland errichtet.
Doch gerade im Sumpfbereich leidet die Stadt an Instabilität.
Ständig sacken Häuser, manchmal auch ganze Straßenzüge oder Stadtteile, weg und müssen mit einem System unterirdischer Stützpfeiler und Mauern stabilisiert werden.
Doch die so genannte Unterstadt ist nicht nur ein riesiges, mit Säulen und Pfeilern durchzogenes Gewölbe, sondern ein verwinkeltes System trockener und feuchter Gebiete.
Manche Bereiche bestehen aus festem Stein (entweder natürlichen Ursprungs oder aus Massen von Trümmern), teilweise sogar aus ganzen Straßenzügen, die versunken sind.
In den ersten Jahrhunderten nach Gründung der Stadt sackten häufig Gebäude ab und wurden einfach als Fundament für neue Bauwerke genutzt.
Heutzutage ist die Stadt durch den Fortschritt in Architektur und Konstruktion deutlich stabiler geworden, doch aus der Vergangenheit existieren mancherorts ganze Schichten versunkener Ruinen, die Dutzende von Metern in die finsteren Tiefen reichen.
Dieses Labyrinth aus den Überresten versunkener Gebäude, Tunneln, Kanälen und unterirdischen Sumpfseen, Säulen-durchzogenen Hallen und natürlichen Höhlen ist von der Fläche her fast dreimal so groß, wie Grauflucht selbst.
Dies liegt daran, dass die Unterstadt aus verschiedenen Ebenen besteht, die sich im Laufe der Dekaden gebildet haben.
Natürliche und nachträglich errichtete Gänge und Schächte verbinden die einzelnen Ebenen und Gebiete der Unterstadt miteinander.

Die Tiefen Graufluchts bergen unzählige Gefahren wie einsturzgefährdete Gebiete, Höhlen gefüllt mit giftigen Sumpfgasen, reißende Sturzbäche und tosende Wasserfälle, die in die Tiefe stürzen (und alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellt) und morastige Regionen, in denen Unachtsame versinken können.
Die größte Gefahr, die die Unterstadt zu bieten hat, ist allerdings die hohe Wahrscheinlichkeit, sich in den verwinkelten unterirdischen Gebieten zu verirren.
Doch die Vegetation in diesen lichtlosen Regionen ist bedrohlich genug, um Abenteurer abzuschrecken.
Giftige Schwämme und Algen bedecken die feuchten Wände und manche Gebiete sind mit fluoreszierenden Pilzgeflechten überwuchert, die betäubende Sporen absondern.
Blutrünstige Würgeranken und unheimliche, fleischfressende Gewächse sind in den düsteren Weiten der Unterstadt ebenfalls zu finden.
Die Unterstadt ist eine einsame Region, doch sie ist alles andere, als unbewohnt.
Dort unten lebt eine bemerkenswerte Vielfalt von Tieren und anderen Kreaturen.
Ungeziefer aller Art (beispielsweise riesige Kakerlaken, Schnecken, Tausendfüssler, Käfer und Spinnen) ist hier in großer Zahl anzutreffen.
Doch neben diesen Wesen sind auch größere Kreaturen zu finden, wahre Bestien, die schon so manchen Neugierigen verschlungen haben.
Vor allem die riesigen Spinnen der Unterstadt, Gallerten, Aaskriecher und das gefürchtete Draaken-Krokodil seien hier warnend erwähnt.
Es leben jedoch durchaus auch intelligente Wesen in dieser unwirtlichen Umgebung, was jedoch nicht bedeutet, dass diese sonderlich zivilisiert wären.
Seit Jahrzehnten geht das Gerücht, dass ein Stamm wilder Echsenwesen dort unten haust (der sich in mondlosen Nächten angeblich bis in die einsamen Viertel der Oberfläche vorwagt).
Ansonsten gibt es (mehr oder weniger glaubwürdige) Berichte von degenerierten Goblins, hinterhältigen Sahuagin und untoten Wesen, die in diesen lichtlosen Tiefen eine Zuflucht gefunden haben.
In einem Bereich der Unterstadt haust angeblich sogar ein verrückter, weißhäutiger Minotaurus, mit dem die Mütter Graufluchts ihren unartigen Kindern Angst einjagen.

Wesen aus der Oberstadt begeben sich aus unterschiedlichsten Gründen in die Tiefen.
Diebe verstecken hier ihre Beute und Mörder ihre Opfer.
Kulte solch lebensfeindlicher Gottheiten wie dem Dämonenprinz Saluku treffen sich in einsamen Höhlen um ihre widerwärtigen Riten zu begehen und mutige Schmuggler nutzen Routen durch die düstere Unterstadt um die Garde zu umgehen.
Dekadente Adelige und Reiche treffen sich zu verbotenen Gladiatorenkämpfen in versteckten Gewölben und angeblich existiert dort unten sogar ein geheimer Sklavenmarkt.
Außerdem gibt es immer wieder Abenteuer und Forschende der Universität von Grauflucht, die den Abstieg in die gefährlichen Tiefen wagen, denn es ranken sich unzählige Geschichten um versunkene Schätze und andere Reichtümer, die in den verwinkelten Gängen und Gewölben auf ihre Entdeckung warten.
Es gilt als nahezu gesichert, dass dort unten Tunnel existieren, die ins Unterreich von Kandamur führen.

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