Garviel

Garviel, der Gottschlächter, zählt zu den mächtigsten Erzengeln.
Er ist eine durch und durch tragische Figur. Garviel stand Krom während der Schöpfung bei und war ein verantwortungsvoller Wächter des Pantheons.
Es war Garviel, in dem das Gute besonders stark war und der seinen Gefährten Baldaskhan, der die Macht der Ordnung mit erbarmungsloser Gewalt durchsetzte, zuerst mit Misstrauen betrachtete. Er war es, der Krom aufforderte, dem Treiben des Erzengels Baldaskhan Einhalt zu gebieten und brachte so die Ereignisse in Bewegung, die später als der Pakt der Ordnung in die Legenden eingingen.
Danach war er ein Held unzähliger Schlachten gegen die gefallenen Engel des Feurigen Abgrunds und ihrer Teufelshorden.
Kaum ein Teufel konnte sich mit Garviel, dem Schwert des Guten (wie ihn Sterbliche seinerzeit nannten), messen und selbst die Erzteufel mieden es, ihm in der Schlacht gegenüber zu treten.
Garviel, aufrecht im Glauben an das Gute und die Ordnung, war für Äonen Kroms liebste Waffe gegen das Böse und das Chaos.

Doch dann kam der Tag des Aufruhrs, an dem Garviels Waffenbruder Mikhail die verhängnisvolle Frage nach einem Bekenntnis zum Guten von den Göttern des Pantheons stellte und bitter enttäuscht wurde. Es heißt, Garviels Glaube an die Ordnung zerbrach an diesem Tag…
Der Erzengel konnte es nicht glauben, daß sich ein Gott zum Symbol für das Gute aufschwingen konnte, der selbst nicht daran glaubte…
Garviels Schwert trank viel göttliches Blut, als es strafend zwischen die Reihen der vermeintlichen Götzen fuhr.
Es dürstete Garviel nach Rache an Krom, dem er für Äonen blindlings gefolgt war und zu dem er aufgeschaut hatte, als ein Beispiel für die Reinheit des Guten. Doch Krom hatte gestanden, der Ordnung näher zu sein, als dem Guten und das Gutes ohne Ordnung sinnlos sei…
Die Götter Ziluvyr und Vitus starben an diesem Tag unter Auroris, der Klinge des Ersten Morgens – Garviels legendärem Schwert.
Mit dem Tod von Vitus, dem Gott der Grenzen, Tore und Portale, brach auf den Ebenen das Phänomen der temporären Portale an. Demnach kann man behaupten, daß Garviel dafür verantwortlich ist, daß die Sterblichen die Wunder der Ebenen entdeckten.
Krom konnte dem wütenden Erzengel entkommen, doch seither schwört Garviel auf Rache.
Ihm geht der Verstoß der Götter aus Celestrias nicht weit genug und er sieht in den Seraphin wankelmütige Feiglinge, die es nicht wagen, die Götter für ihren Verrat zu strafen.
Der Erzengel selbst hat allem Göttlichen und dem Prinzip der Ordnung, das in Garviels Augen den Nährboden für das trügerische Treiben der Götzen bildete, abgeschworen. Dennoch nimmt er an ihren Zusammenkünften der Seraphin Teil, auch wenn er durch seinen Bruch mit der Ordnung eigentlich aus ihren Reihen verbannt wäre. Doch kein Erzengel hat es bisher gewagt, den mächtigen Garviel auszuschließen und so lange Raziel, das Oberhaupt der Seraphin, ihn an ihrer Tafel duldet, ist nicht zu erwarten, daß Andere gegen seine Gegenwart aufbegehren. Selbst Erach, der Garviel nicht verzeihen kann, daß dieser seine Geliebte Ziluvyr getötet hat, duldet die Anwesenheit des Gottschlächters.

Garviel und sein Gefolge haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Sterblichen – die den Machenschaften der verräterischen Götter noch weniger entgegen zu setzen vermochten, als das geblendete Volk der Engel – vor dem Einfluss der Götzen zu schützen. Sie suchen jene auf, in denen sie das reine Gute vermuten und die von den Lehren falscher Götter wie Krom fehlgeleitet werden und fordern sie auf, ihrem Glauben abzuschwören und stattdessen das Gute selbst zu ehren.
Vor allem in Regionen der Materiellen Ebene, in denen die Kromanischen Götter viele Anhänger haben (wie beispielsweise im angraenischen Vandelari), sorgen diese Häretiker-Engel immer wieder für Aufsehen und Unruhen unter den Gläubigen.
Garviel selbst residiert mit seinem Gefolge in der Seraphinstadt Semiramyl in einem Palast, der von den Bewohnern der Stadt die Heimstatt der Häretiker genannt wird.
Obwohl Garviel von Akuriel, der Herrin Semiramyls, nur widerwillig geduldet und ihm und seinem Gefolge in der Stadt oft offene Ablehnung entgegen gebracht wird, verweilt er dort beharrlich.
Tag und Nacht bewacht er die gewaltige Platinpforte in der Hoffnung, daß Krom daraus eines Tages hervortreten und dann durch das Schwert des Erzengels seine gerechte Strafe empfangen wird.
Es ist eine unausgesprochene Tatsache, daß Akuriel – Hüterin der Pforte – dem nicht tatenlos zu sehen wird und die Bewohner Semiramyls befürchten, daß es dann erstmals zu Krieg unter dem Gefolge zweier Erzengel kommen könnte.
Was dies für Folgen für die Ebenen des Lichts und die Gemeinschaft der Erzengel haben würde, vermag niemand zu sagen…

Garviel ist ein wunderschöner Engel mit nachtblauem Haar und glänzend weißen Flügeln, die jedoch von Spritzern göttlichen Bluts für alle Ewigkeiten besudelt sind. Der Ausdruck von Güte und Freude, den alte Darstellungen des Erzengels zeigen, ist einer Maske aus Gram und Enttäuschung gewichen.
Garviel ist ein ernster und unnahbarer Erzengel. Die meiste Zeit verbringt er allein – hoch oben auf der Spitze des höchsten Turms seiner Heimstatt und in schweigender Wache vor der Platinpforte zu seinen Füßen.
Doch er fühlt sich – nun mehr denn je – seiner Verantwortung für das Wohl der Sterblichen verpflichtet und ist einer der eifrigsten Erzengel, wenn es darum geht, auf der Materiellen Ebene gegen das Böse vorzugehen.

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