Glazuria

-Sicherster Hafen des Gwandalischen Meeres-

Stand: 999 n.K.
Herrscher: Erzherzog Capelo Ricomantris, Herrscher der Provinz Glazuria, Groß-Admiral der ganiordischen Marine und Kommandant des Goldenen Geschwaders, ist der Alleinherrscher der Hafenstadt Glazuria. Er ist seit 967 n.K. im Amt.
Erzherzog Ricomantris ist einer der mächtigsten Männer des Reiches, der lediglich vor dem Damar selbst Rechenschaft ablegen muss. Er beherrscht Glazuria und die angrenzende Provinz mit eiserner Faust, doch seine Aufmerksamkeit richtet sich eher auf die See, als auf die Geschehnisse an Land. Als Kommandant des Goldenen Geschwaders hat er es sich zum Ziel gemacht, die Bedrohung durch die Piraterie auf dem Gwandalischen Meer mit Stumpf und Stiel auszurotten. Die tägliche Politik der geschäftigen Hafenstadt und der Provinz ist für ihn zweitrangig, so daß er das Regieren seinem Stadthalter Kivenius Butras überlässt, der ihm täglich berichtet. Erzherzog Ricomantris begibt sich häufig auf ausgedehnte Erkundungsfahrten mit der Glanzlicht, dem schwer bewaffneten Flaggschiff des Goldenen Geschwaders, und ist manchmal wochenlang auf See. Capelo Ricomantris ist ein strenger, rechtschaffener Herrscher, doch seit seine Gemahlin und ihre drei Söhne im Jahre 987 n.K. auf einer Seereise nach Kimblatay von bornesischen Piraten überfallen und getötet wurden, ist er ein verbitterter Mann. Dieses Ereignis hat ihn streng und unerbittlich werden lassen und seinen Hass auf die Piraterie ins Unermessliche geschürt. Auf seiner Jagd nach den Piraten des Gwandalischen Meeres verlangt er seinen Männern unmenschliche Anstrengungen ab und viele sehnen den Tag herbei, an dem der alte, verbitterte Ricomantris sein Amt an einen gemäßigteren Nachfolger abtritt.
Erzherzog Ricomantris hat angesichts seines zunehmenden Alters mittlerweile jede Hoffnung verloren, daß er seinen Titel an einen Erben seines Blutes weiter geben kann. Sein Favorit für die Thronfolge ist seit einigen Jahren der junge Kapitän Elando Kliffskir, den er persönlich auf das Amt des Erzherzogs vorbereitet. Kliffskir dient dem Goldenen Geschwader als Kapitän der Glanzlicht und genießt unter den Soldaten der Flotte ein hohes Ansehen.
Neben Elando Kliffskir und Kivenius Butras umgibt der Erzherzog sich vor allem mit einer Person; seiner Vertrauten Syl, eine geheimnisvolle Priesterin Navirs. Syl ist eine Halb-Sahuagin, die Gerüchten zufolge in überfluteten Gewölben unter der Flutburg haust und dem Erzherzog mit unheimlicher Magie aus der Tiefsee zur Seite steht. In der Stadt geht außerdem das Gerücht um, daß Syl die Geliebte des Erzherzogs ist und in den Gewölben der Flutburg eine ganze Schar amphibischer, missgebildeter Kinder aus dieser Verbindung versteckt wird. Der Erzherzog schätzt den Rat der unheimlichen Priesterin und er hat sie mit etlichen Vollmachten ausgestattet, die sie in der Stadt nahezu unantastbar machen. Wenn sie einen ihrer regelmäßigen nächtlichen Ausflüge in die Stadt unternimmt oder ihre wöchentliche Predigt im Tempel der Navir hält, wird sie stets von einem Trupp Marinesoldaten begleitet, der ihr als Leibwache dient. Der Erzherzog verlässt sich vor allem auf ihr Wort, wenn es um das Rekrutieren neuer Soldaten für die Flotte geht und die Taufen, die sie als Aufnahmeritual durchführt, sind auf Grund der hohen Zahl von Todesfällen berüchtigt.
Gründung: 52 v.K.
Wappen: Eine rote Schlange, die sich um eine goldene Windrose windet; üblicherweise auf nachtblauem Grund. Die Schlange symbolisiert das Bekenntnis zum Barnazul-Glauben und die Windrose verdeutlicht Glazurias Ausrichtung auf die Schifffahrt und den Seehandel.
Einwohner: ca. 10.000 (43 % Menschen (Gwandalier, Bornesen), 15% Merkanier,
10% Hobgoblins, 8% Tengu, 6% Gnome, 5% Goblins, 4% Hügelzwerge, 3% Halblinge,
3% Sargon, 2% Elementarier, 1% Andere)


Glazuria.jpg

Geschichte: Glazuria wurde 52 v.K. auf Geheiß des Damar als Handelsposten gegründet. Der Hafen sollte als Umschlagsplatz für den Überseehandel mit den exotischen Erträgen des Portalshandels dienen. Gleichzeitig füllte er die Lücke im wirtschaftlichen Gefüge des Damariter-Reiches, die die Vernichtung der Hafenstadt Prinubria 102 v.K. hinterlassen hatte.
Glazuria gedieh schnell zu einem bedeutenden Hafen , doch der wirtschaftliche Ruhm der Stadt lockte auch Feinde an. Die Piraten des Gwandalischen Meeres und Eroberer wie die furchterregenden Xurakon fielen immer wieder über die Stadt und ihre Handelspartner her und die unterbesetzte Marine des Reiches konnte den Schutz des Hafens nicht garantieren. Ein äußerst finsteres Kapitel in der Geschichte der Stadt war auch die Handelsfehde mit Naviria, die von 215 bis 224 n.K. tobte.
Bereits im 4. Jahrhundert n.K. hatte Glazuria sich als Hafenstadt im gwandalischen Westen etabliert. Es diente als Endhafen für den Handel mit den nord-bornesischen Hafenstädten und verschiffte zeitgleich die exotischen Waren von den Ebenen, die das Portal von Gvanifay hervorbrachte.
Unter den Fürsten des Hauses Bucanistro erlebte Glazuria eine mehrere Jahrhunderte andauernde, stete Blüte.
Im Jahre 717 n.K. wurde Glazuria durch die Geschehnisse in Atem gehalten, die Jahre später als das ‚Shingenyis-Disaster’ in die Geschichte des ganiordischen Reiches einging.
Zwei rivalisierende Magiergilden – das Leuchtfeuer, ein Bund glazurischer Elementarmagier und die Töchter der Tarlai’Zuul, weibliche Beschwörer aus Orgish, trugen auf den Straßen der Stadt über Monate einen blutigen Konflikt aus, den die Stadtwache schließlich gewaltsam zu beenden versuchte. Das Leuchtfeuer versuchte, mit einem riskanten, magischen Ritual das herrschende Haus Bucanistro zu vernichten, doch die Anrufung schlug fehl. Stattdessen manifestierte sich Shingenyis, ein alter, grauenhafter Elementardämon, der Furcht und Schrecken über die Stadt brachte. Nur das Eingreifen der Wissenshüter von Shembanyor konnte das Scheusal vertreiben, das noch heute die Küstenregionen von Ganiordaes heimsucht. Die Leuchtfeuer wurden bei diesen Ereignissen komplett ausgelöscht. An den Töchtern der Tarlai’Zuul ließ Haus Bucanistro mit 102 Hinrichtungen ein Exempel statuieren. Nur wenige Töchter konnten entkommen und wandten sich schließlich der Piraterie zu.
Das kurze, aber grauenhafte Wirken des Elementardämons hinterließ, neben schrecklicher Zerstörung, auch bis heute unenträtselte Geheimnisse wie die unheimlichen Shingenyis-Katakomben, die sich durch den westlichen Hang über der Stadt ziehen.
719 n.K. verfasste Glephtin Bucanistro, damaliger Fürst der Stadt, den Erlass, der die Ansiedlung und die Gildengründung durch arkane Zauberwirker bis heute verbietet.
Doch die Herrschaft des Hauses Bucanistro neigte sich von nun an unweigerlich ihrem Ende entgegen.
844 n.K. wurde die Stadt in einem Großangriff auf die ganiordische Küste von den Xurakon besetzt und fast ein volles Jahr gehalten. Erst ein Verbund ganiordischer und skalivernischer Kriegsschiffe konnte die Eroberer vertreiben. Der Damar befahl 847 n.K. schließlich den Bau des Goldenen Geschwaders; einer schlagfertigen Flotte, die dem gesetzlosen Treiben auf dem Gwandalischen Meer ein für alle Mal ein Ende setzen sollte. Der Damar verlieh Caspo Ricomantris, dem Admiral der jungen Flotte, den Titel eines Erzherzogs und die Herrschaft über Glazuria. Das Goldene Geschwader vertrieb viele Piratenbanden gen Orgish und in den Osten des Gwandalischen Meeres und sorgte für spürbare Sicherheit in ganiordischen Gewässern. Das Geschwader erwarb sich einen ruhmreichen Ruf in zahlreichen kleinen Piratenkriegen und seine Verdienste führten dazu, daß Glazuria als sicherster Hafen des Damariter-Reiches berühmt wurde. Bei den Piraten ist die Stadt als das Schafott des Westens berüchtigt, denn nirgendwo wird so gnadenlos mit den Angehörigen dieses Gewerbes umgesprungen, wie in Glazuria. Erzherzogin Tyralandi Ricomantris ließ allein im Jahre 855 n.K. zweiunddreißig Piratenmannschaften hinrichten. Die Herrschaft der Erzherzöge des Hauses Ricomantris führte dazu, daß aus Glazuria eine blühende Handelsstadt und ein bedeutender Militärhafen wurde. Besonders durch den Überseehandel, der um 700 n.K. aufkam, wuchs Reichtum und Einfluss des jungen Erzherzogtums.
Den jüngsten Schicksalsschlag musste die Hafenstadt 931 n.K. hinnehmen, als ein Kader teuflischer Yrthakreiter der Pestkönigin Aralaika die Hafenstadt Glazuria überfiel und immense Schäden anrichtete. Das Haus Ricomantris baute die Stadt wieder auf und errichtete außerdem die Flutburg; eine gewaltige Festungsanlage, die den Hafen der Stadt bewacht.
992 n.K. wüteten die Purpurpocken in Glazuria und fast ein Fünftel der Bevölkerung ging an den Folgen der Seuche zu Grunde.
Regierung: Stadthalter Butras wird bei seiner Arbeit von einem sechsköpfigen Stadtrat unterstützt, dessen Mitglieder der Erzherzog persönlich auswählt. Meist handelt es sich bei diesen Leuten um rechtschaffene Adelige oder einflussreiche Händler; gelegentlich auch um verdiente Marineveteranen. Es befindet sich immer mindestens ein Richter unter den Mitgliedern des Rates. Bei den Ratssitzungen ist auch immer ein Barnazul-Priester anwesend, der zwar keinerlei Stimmrecht hat, aber als Auge und Ohr des Schlangentempels von Shembanyor fungiert und den Rat in ethisch-moralischen Fragen berät. Aus Sicherheitsgründen sind die Mitglieder des Rates dem Volk unbekannt. Zu viele Piratenkapitäne, bornische Händlerfürsten und andere Feinde der Stadt trachten nach dem Leben dieser Männer und Frauen. Nur der Erzherzog und die Mitglieder kennen die Identitäten der Ratsherren. Die Ratsmitglieder treffen sich wöchentlich an einem unbekannten Ort. Wenn sie zu Gericht sitzen und über Verbrechen gegen die Stadt richten, tragen sie verhüllende silberne Masken. Der Rat tritt niemals an die Öffentlichkeit, sondern nutzt Kivenius Butras als Sprachrohr. Der Rat entscheidet allerdings selten gegen Ansichten des Erzherzogs und gilt traditionell als Rückgrat seiner Politik.
Politische Lage: Kivenius Butras gilt beim einfachen Volk als rückgratloser Speichellecker und genießt kein hohes Ansehen. Die meisten Bürger machen sich keine Illusionen darüber, daß Butras und sein Rat nichts weiter als Marionetten des Erzherzogs sind. Beim menschlichen Teil der Bevölkerung genießt der Erzherzog selbst allerdings hohes Ansehen. Angehörige der goblinoiden Völker lehnen ihn jedoch als Herrscher ab und bezeichnen ihn als Rassisten.
Es gibt einige Gruppierungen im Umfeld der Universität, die das Einsetzen eines regierenden Rates verlangen und Ricomantris’ Abdankung fordern. Der größte Teil dieser Gruppen besteht aus jungen Adeligen und Studenten der Politik. Ihre Aktivitäten beschränken sich (bisher) auf Ansprachen und das Verteilen gedruckter Manifeste, doch bisher stellten sie keine Gefahr für die Regentschaft des Erzherzogs her.
Die Anschläge durch die Herrenmenschen und Orgishs’ Blut stellen eine weitaus größere Gefahr für den Rückhalt des Herrschers im einfachen Volk dar. Viele Bürger leben in Furcht vor Attentaten und mehr als einmal forderten Ansammlungen aufgebrachter Bürger vor dem Palast der Gerechtigkeit härteres Durchgreifen gegen die Fanatiker. Diverse Interessenverbände ansässiger Händler, die sich über die Zunahme der Piraterie vor der ganiordaeschen Küste sorgen, setzen Fürst Ricomantris unter politischen Druck. Es gibt Stimmen, die behaupten, daß das Goldene Geschwader Schiffe der Gilde der Überseefahrer und Konvois des Handelskonsuls der Kreshh bevorzugt beschützt und unabhängige Händler schutzlos den Angriffen der Seeräuber und dem Herrscher somit indirekt Korruption vorwerfen. Die Unterstützung der mächtigen Überseefahrer-Gilde und die Gunst des Damar selbst verhindern bisher noch, daß diese Vorwürfe Ricomantris’ Herrschaft gefährden.
Armee: Glazuria wird vom Goldenen Geschwader, der ruhmreichen Piratenjäger-Flotte des Reiches, beschützt. Die Flotte besteht aus fast vierzig Schiffen, von denen 12 schwere Kriegsschiffe sind. Der Rest des Geschwaders setzt sich aus leichten Küstenschiffen (überwiegend Schoner), Patrouillenbooten (Schaluppen) und Versorgungsschiffen (Lastkähne und Handelsschiffe) zusammen. Flaggschiff des Geschwaders ist die Glanzlicht, eine 150 Tonnen schwere Brigatine, die mit zehn Ruderpaaren, 16 Kanonen und vier Ballisten ausgerüstet ist. Ein Drittel des Geschwaders hält sich stets in Glazuria auf, während die restliche Flotte auf See Jagd auf Piraten macht, die Küste patrouilliert oder als Geleitschutz für Konvois von Handelsschiffen dient. Das Geschwader verfügt außerdem über zwei Talium-Luftschiffe, die zur Aufklärung und zum Befördern von Nachrichten, Gütern und Truppen genutzt werden. Erzherzog Ricomantris besitzt außerdem eine Elementargaleere; die Largasso, die er vor allem für seine Reisen in die Hauptstadt nutzt. In der Stadt selbst sorgt die hundertköpfige Stadtwache, ein Regiment von Marineinfanteristen, für Ruhe und Ordnung. Die Stadtwache untersteht dem Stadthalter Butras und wird von Oberst Okulka, einem Sand-Iqueri, geführt. Sergius Okulka ist ein Veteran der Gesegneten Garde von Gvanifay und Held vieler Schlachten gegen die teuflischen Truppen der Pestkönigin Aralaika. Die Stadtwache zeigt eine hohe Präsenz in den Straßen Glazurias; vor allem im Hafenviertel. Nachts patrouilliert sie allerdings nur im Hafen und in den Vierteln entlang der Allee des Admirals. Die Stadtwache hat vor allem ein Auge auf die Schiffe, die in Glazuria anlegen. Schmuggler, Hehler und Piraten gelten als ärgsten Feinde der Stadt und werden hartnäckig verfolgt, während die Diebe und Bettler der Stadt relativ unbehelligt ihren Geschäften nachgehen können, solange sie nicht ein Übermaß an Aufmerksamkeit erregen. Alle Stadtwachen sind mit Langschwertern, Schlagstöcken und Militärflinten ausgerüstet.
Klima: Glazurias Klima ist warm und feucht. Es regnet stark und häufig und im Winter und an heißen, schwülen Sommertagen toben heftige Unwetter über der Stadt. Die Temperatur ist das ganze Jahr über mild, doch nachts kriecht feuchte Kälte vom Meer in die Stadt und hüllt den Hafen in dichten Nebel. Da es überwiegend nachts regnet, liegt die Stadt oft bis zum Mittag in einem feuchten Dunst, den erst die sengende Mittagssonne beseitigt.
Architektur: In Glazuria vereint sich die typische, schlichte Flachdacharchitektur der südlichen Hafenstädte mit dem nord-ganiordischen Baustil (spitze Dachstühle, prunkvolle Ornamentarbeiten und Wasserspeier), den das Geschlecht der Erzherzöge bevorzugt. Da Fläche im beengten Talkessel von Glazuria ein rares Gut ist, wird mehr und mehr in die Höhe gebaut und in manchen Vierteln der Stadt nehmen die Bauwerke inspirandische Dimensionen an. In Glazuria mischen sich auf reizvolle Weise nord-angraenische und typisch ganiordische Baustile mit Elementen aus Bornesh und noch ferneren, exotischen Ländern. Jahrhunderte von erfolgreichem Handel mit den weit entfernten Häfen von Nova-Bakairis und Mandrill haben in Glazuria ihre Spuren hinterlassen. Die architektonisch eindrucksvollsten Gebäude der Stadt sind zweifellos der Palast der Gerechtigkeit und die gewaltige Flutburg. Doch auch die wohlhabende Bevölkerung wetteifert mit einander um die prachtvollste Residenz und die edelste Fassade ihrer Geschäftsgebäude und Architekten haben in der Stadt gewöhnlich alle Hände voll zu tun. Die größten und schönsten dieser Prachtbauten finden sich im Südviertel der Stadt. Unter der Stadt befindet sich eine einfache Kanalisation, die sich allerdings nicht unter der kompletten Stadt erstreckt.
Umgebung: Glazuria liegt in Mitten eines großen Waldgebietes, der es einerseits vor den meisten Überfällen durch gewöhnliche Banditen oder plündernde Orkhorden aus dem Nordwesten schützt, es andererseits aber auch von der dazugehörigen Provinz jenseits des großen Waldes abschneidet. Der Wald, der so genannte Aschenforst, ist eine der Grundlagen von Glazurias Reichtum, denn dort wachsen starke und gute Hölzer, die die Stadt an die Werften der Provinz und an andere Handelsstädte verkauft. Im Wald gibt es mehrere Holzfällerlager, die ihre Erträge oft über die beiden Flüsse (dem Kaltschaum und dem Russfluss) bis direkt in die Stadt befördern. Jenseits des Waldes liegen fruchtbare Länder mit sanften Hügeln und Tälern voll fruchtbarer Felder, auf denen der größte Teil der in der Hafenstadt benötigten Vorräte gedeiht. Durch Ricomantris’ engstirnige Ausrichtung sämtlicher Aufmerksamkeit auf die See, erfahren die Dörfer und Städte der Provinz allenfalls sporadisches Interesse von Seiten des Herrschers. Da es in Glazuria keine für die gesamte Provinz zuständige Armee gibt, müssen die meisten Siedlungen für ihren eigenen Schutz gegen Feinde sorgen. So kommt es, daß nur wohlhabende Siedlungen wie die Hafenstadt Braxis (in der die bekannte Orventar-Werft ihre Schiffe baut), die mit Söldnertruppen für ihre Sicherheit sorgen, ihre Grenzen dauerhaft festigen können; kleinere und ärmere Siedlungen werden nicht selten Opfer von plündernden Goblins oder Versorgungstruppen der Pestkönigin. Die geringe Sicherheit in den ländlichen Gebieten führt dazu, daß sich Gemeinschaften von Ogern und Trollen in die zivilisierten Regionen wagen, um zu plündern, zu brandschatzen und um Sklaven zu rauben. Die Grafen der ländlichen Siedlungen legten auf Grund dieser Situation schon häufig Beschwerde am Hof des Erzherzogs ein; bisher allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Das Ansehen des Erzherzogs hat in den letzten Jahren durch eine Reihe blutiger Überfälle auf einsame Siedlungen, merklich gelitten. Viele Grafen und Landadelige der Provinz Glazuria hoffen, daß Ricomantris’ Nachfolger ihren Anliegen und dem Wunsch nach einer Reichswehr mehr Gehör schenken wird.
Religion: Auch wenn in Glazuria die vom Damariter-Reich zugesicherte Religionsfreiheit gilt, ist Glazuria keine sonderlich fromme Stadt. Navir, Barnazul, Andrinus und Xor sind die einzigen Gottheiten, die dort mit einem Tempel geehrt werden. Andere Götter werden dagegen nur in kleinen Schreinen oder an privaten Altären verehrt. Religiöse Gemeinschaften haben nur wenig Einfluss auf die Politik der Stadt und genießen hier kein so hohes Ansehen, wie in anderen ganiordischen Städten dieser Größenordnung. Ein Gesandter des Barnazul-Tempels von Shembanyor sitzt den Gerichtsverhandlungen des Stadtrats bei und traditionell ist eine Priesterin Navirs bei Prozessen nach dem Seerecht des Reiches vertreten; darüber hinaus hat der Klerus der Stadt jedoch keine Befugnisse. Die Xoriten des hiesigen Tempels spenden gelegentlich stattliche Gelder um den Kampf gegen die Piraterie zu unterstützen, weshalb der Orden das besondere Wohlwollen des Erzherzogs genießt. Die Anhänger des Andrinus sind vor allem in den armen Regionen der Stadt unterwegs, um Hunger, Leid, Schwäche und Krankheit zu bekämpfen und um dafür zu sorgen, daß ansteckende Krankheiten von den täglich einlaufenden Schiffen erkannt und bekämpft werden.
Wirtschaft: Wirtschaftlich geht es Glazuria sehr gut, auch wenn der daraus resultierende Reichtum ungerecht unter der Bevölkerung verteilt ist. Die meisten Einnahmen erzielt Glazuria aus dem Holzhandel und den Zöllen für Handelsschiffe. Zwar sind die Zölle in Glazuria, im Vergleich zu anderen ganiordischen Hafenstädten, recht hoch, doch die Stadt garantiert die Sicherheit des Hafens und ihres Hoheitsgebietes. Es sind ständig Schiffe des Goldenen Geschwaders auf See, die Handelsschiffe eskortieren, deren Ziel Glazuria ist. Außerdem verbürgt sich Erzherzog Ricomantris für die Fracht dieser Schiffe und ersetzt sie, falls es Diebe wagen sollten, die im Hafen liegenden Schiffe auszurauben. Dies geschieht äußerst selten, denn der Hafen wird gut bewacht. Was häufiger vorkommt, sind gierige Kapitäne, die Diebstähle fingieren, um Erstattung einklagen zu können. Die Zollbehörde des Erzherzogs hat jedoch ein waches Auge für derartige Betrügereien und jeder, der eines solchen Schwindels überführt wird, endet am Galgen.
Der Schutz des Erzherzogs führt dazu, daß vor allem Schiffe mit wertvoller Ladung die Stadt anlaufen und so ist Glazuria der erste Zielhafen des Reiches für Waren aus Übersee.
Kultur: Glazuria ist nicht gerade als Hochburg von Kunst und Kultur bekannt. Es gibt ein großes Opernhaus (die Kathedrale der Sänger unweit des Palastes der Gerechtigkeit), in dem gelegentlich auch bekannte Sänger aus Gvanifay auftreten, sowie eine Volksbühne, die wenig spektakuläre Komödien für das einfache Volk aufführt. Durch die Überseefahrer kommt es jedoch regelmäßig vor, daß Barden oder Künstler aus fernen Ländern in die Stadt kommen und dort ihr Können zur Schau stellen. Viele dieser Darbietungen werden im Gasthof ‚Zum Willkommenen Fremden’ aufgeführt, der seine Dienste auf fremdländische Besucher und deren Bedürfnisse spezialisiert hat. Seemänner der Überseeschiffe nutzen oft die zahlreichen Händler im Hafenviertel, um Bücher, Kunstgegenstände und andere exotische Mitbringsel aus der Ferne gegen ganiordische Münzen einzutauschen. Aus diesem Grund kommen Sammler seltener Dinge und Gelehrte (beispielsweise die Wissenshüter von Shembanyor) regelmäßig in die Stadt, um die kleinen Läden nach außergewöhnlichen Stücken und Objekten von Interesse abzusuchen.
Bedeutende Organisationen: Es gibt einige Organisationen in Glazuria, die so mächtig sind, daß sie einen gewissen Einfluss in der Stadt haben. Eine davon ist die Gilde der Überseefahrer, ein Bund von Kapitänen, der seinen Mitgliedern einige Annehmlichkeiten zu bieten hat. Für einen stattlichen Mitgliedsbeitrag öffnet die Gilde einem Seefahrer Zugang zum großen Archiv der Gilde, in dem allerlei Seekarten, Logbücher und sogar Originalaufzeichnungen von Lemeniras persönlich zu finden sind. Gerade für Kapitäne, die in die fernen südlichen Reiche reisen, finden sich hier wertvolle Informationen. Für einen Anteil am Gewinn stellt die Gilde gar Lotsen und andere Experten für die gefährlichen Überseereisen. Kapitäne, die Mitglieder der Gilde sind, genießen außerdem vergünstigte Zölle in Glazuria und erhalten bei vielen Schiffsbauern Rabatt, wenn sie Reparaturen an ihren Schiffen ausführen lassen. Ferner kommt die Gilde für die Hinterbliebenen verschollener Mitglieder auf, vermittelt Heuern für gestrandete Seeleute und kuriert Mitglieder, die Fieber oder andere Krankheiten aus dem exotischen Süden mitgebracht haben. Außerdem gibt es das Gerücht, daß die Gilde eine Absprache mit einigen der gefürchtetsten Piraten des Gwandalischen Meeres hat, die eine gehörige Stange Gold dafür kassieren, Schiffe unter der Fahne der Gilde nicht zu behelligen. Das Wappen der Gilde der Überseefahrer ist ein Dreimaster, der auf einem Meer aus Goldmünzen fährt.
Gesellschaft: Neben seinem Ruf als bedeutende Hafenstadt hat Glazuria auch den Ruf erworben, eine Stadt zu sein, um die Hobgoblins besser einen Bogen machen. Seit der Zunahme der Piraterie in den vergangenen Jahrhunderten, die vor allem durch die hobgoblinschen Piratenbanden von Orgish hervorgerufen wurde, begegnet man diesem Volk in Glazuria mit offener Ablehnung. Hobgoblins, die immerhin Glazurias drittgrößte Volksgruppe darstellen, haben in der Stadt vielerlei Einschränkungen zu erdulden. Hobgoblins bleibt das Bürgerrecht verwehrt und selbst dort geborene Angehörige dieser Rasse gelten juristisch als Fremde, was beispielsweise zur Folge hat, daß ihnen bei Gerichtsverfahren kein Verteidiger gestellt wird. Hobgoblins dürfen in Glazuria keinen Grundbesitz erwerben und sind von offiziellen Ämtern ausgeschlossen. In vielen Tavernen und Gasthäusern wird Hobgoblins der Zutritt verwehrt und Banken und Pfandleiher schließen sie als Kunden aus. Ursache dieser Entwicklung ist zum einen die Angst davor, daß Hobgoblins in Glazuria Piraterie und Schmuggel betreiben. Für die Obrigkeit gilt jeder Hobgoblin potentiell als Verdächtiger und die Stadtwache ist angewiesen, ein besonderes Auge auf Angehörige dieses Volkes zu haben. Es kommt nicht selten vor, daß Hobgoblins auf offener Straße verhört und ihre Häuser grundlos durchsucht werden; etwas was die vollwertigen Bürger der Stadt nicht hinnehmen müssten. Der zweite Grund für diese Ablehnung, die sich vor allem durch die ärmsten und reichsten Schichten der Bevölkerung zieht, ist die Angst vor einer wachsenden Überfremdung durch das raue und ungehobelte Volk. Vor allem die menschlichen Seefahrer der Stadt bezichtigen die Hobgoblins, ihnen die besten Heuern wegzunehmen und sie als Hafenarbeiter an den Docks zu verdrängen, denn viele Kapitäne und Händler bevorzugen die zähen und genügsamen Hobgoblins gegenüber menschlichem Gefolge. Die meisten Hobgoblins der Stadt gehen mit ihrer unbefriedigenden gesellschaftlichen Situation um, indem sie unter sich bleiben und sich bemühen, Konflikten mit der Obrigkeit aus dem Weg zu gehen. Sie treffen sich in Hobgoblin-Tavernen in den Armenvierteln, beschränken ihre Kontakte auf jene Angehörigen anderer Völker, die ihnen wohl gesonnen sind und hoffen auf bessere Zeiten. Es gibt jedoch auch einen Teil der Hobgoblin-Gemeinschaft, die den Rassismus, der ihnen in Glazuria entgegen schlägt, nicht hinnehmen wollen. In den letzten Jahren hat sich ein Geheimbund gebildet, der sich Orgishs’ Blut nennt und der mit Gewalt gegen die Willkür der Obrigkeit und den offenen Rassismus vieler Bürger vorgeht. Angehörige des Bundes machen auf die Lage ihres Volkes aufmerksam, indem sie Pamphlete mit der Forderung nach dem Bürgerrecht für Hobgoblins und offene Drohungen an die Wände der Häuser kleben. Vor allem in jüngster Zeit gab es eine Reihe brutaler Brand-Anschläge, die Orgishs’ Blut zugeschrieben werden und bei denen dutzende Bürger den Tod fanden. Doch auch unter den Menschen Glazurias hat sich eine Organisation gegründet, die das Ziel hat, Hobgoblins ein für alle Mal aus der Hafenstadt zu vertreiben. Diese Männer und Frauen, die sich Herrenmenschen nennen, zünden Tavernen und Häuser von Hobgoblins an, verüben Anschläge auf Anführer der Hobgoblin-Gemeinschaft und gehen sogar gegen Mitmenschen vor, die freundliche Kontakte zu Hobgoblins halten, mit ihnen Handel treiben oder sich für ihre Rechte einsetzen. Der jüngste Anschlag der Herrenmenschen war ein Brandanschlag auf eine Schule im Armenviertel, bei dem fast fünfzig Kinder ums Leben kamen; knapp die Hälfte waren Hobgoblins. Gerade dieser letzte Anschlag hat eine Welle von Gewalt in Glazurias Straßen ausgelöst und die Stadtwache sucht fieberhaft nach den Rädelsführern der beiden Organisationen, um diese zu zerschlagen.
Gesetze: In Glazuria gilt ganiordisches Recht. Der Erzherzog ist jedoch vom Damar persönlich dazu autorisiert, Änderungen vorzunehmen. In Folge dieses Erlasses hat Erzherzog Ricomantris die Strafen für Piraterie, Schmuggel und Hehlerei drastisch verschärft. Die Richter des Palastes der Gerechtigkeit sind dazu angehalten, gegen solche Verbrecher mit aller Härte zu verfahren. „Auf einen Freispruch kommen vier Hinrichtungen“ ist eine glazurische Redensart, die darauf hinweist, sein Glück nicht zu strapazieren. Die Redensart leitet sich von dem harten Vorgehen gegen Piraten ab, die für ihre Verbrechen überwiegend mit dem Tode bestraft werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Verbrechern, die gehängt werden, werden Piraten bei Niedrigwasser an Pfähle im Hafenbecken gefesselt, wo sie bei einsetzendem Hochwasser qualvoll ertrinken.
Bedeutende Persönlichkeiten: Glazuria ist der Sitz vieler einflussreicher Bürger des Damariter-Reiches. Einer dieser Bürger ist Kitano Kreshh, der mächtige Handelskonsul des Reiches Nord-Bornesh. Kitano Kreshh ist Blutmagier und lebt in einem gewaltigen Anwesen auf den südlichen Klippen oberhalb der Stadt. Er hat den unantastbaren Status eines Diplomaten, beaufsichtigt den Handel mit seinem Heimatreich und setzt die strengen und komplizierten Steuergesetze seines Hauses durch.
Jeder Handelsvertrag und jede Transaktion zwischen Bornesen und den Bewohnern des Reiches Ganiordaes muss von Kitano Kreshh abgesegnet werden. Konsul Kreshh treibt die Steuer für seinen Khan ein und organisiert geschützte Konvois zu den Häfen seines Heimatreiches. Eine ganze Flotte bornesischer Kriegsschiffe steht unter seinem Kommando. Neben dem gewaltigen Palast auf den Klippen besitzt Kitano mehrere Lagerhäuser im Hafen und betreibt das Bornesische Handelskontor an der Allee des Admirals. Der Konsul selbst ist dort jedoch höchst selten anzutreffen und lässt den größten Teil des Tagesgeschäftes von seinen Beamten erledigen. In der Stadt ranken sich etliche Gerüchte um Kitano Kreshh. Es wird behauptet, der fette Blutmagier widme seine Zeit verbotenen magischen Ritualen und daß immer wieder Dienstboten und andere Angestellte des Herrenhauses spurlos verschwinden. Auf Befehl des Damar wurde schon eine offizielle Untersuchung dieser Vorwürfe durch die Wissenshüter von Shembanyor angeordnet, die jedoch nach einer Intervention der Großen Schlange von Shembanyor persönlich abgebrochen wurden. Ein anderes Gerücht besagt, daß der immens reiche Kitano seine Hände im verbotenen Handel mit Schwarzer Lotus hat, doch der diplomatische Status des Konsuls macht es der Stadtwache unmöglich, diesen Vorwürfen nachzugehen.
Es heißt, daß Erzherzog Ricomantris dem Handelskonsul misstraut und beim Damar schon mehrfach dessen Absetzung erbeten hat; bisher jedoch erfolglos.
Interessante Orte: Die Shingenyis-Katakomben: Dieser weit verzweigte Komplex von Gängen und Kammern entstand im Jahre 717 n.K., auf offensichtlich magische Weise, während des Wütens des Elementardämons Shingenyis. Der genaue Zweck dieses gewaltigen Verlieses, das sich tief in den Fels des westlichen Hangs erstreckt, bleibt Altertumsforschern bis heute ein Rätsel. Nach dem Rückzug des Scheusals machten sich etliche Gruppen von Abenteurern und auch vom Erzherzog zusammen gestellte Expeditionen auf, die merkwürdigen Gewölbe zu erkunden, doch viele fanden dort drinnen den Tod. Überlebende fanden im Inneren des Verlieses eine merkwürdige, asymmetrische Architektur und unheimliche Reliefarbeiten vor, die keiner bekannten Kultur ähneln. Einige fanden Tontafeln mit seltsamen Inschriften und sogar Papyrusrollen mit unheimlichen Zeichnungen. All’ diese Funden wurden von den Wissenshütern von Shembanyor annektiert und nie wieder gesehen. Sollten die Magier der Gilde irgendwelche Erkenntnisse aus dem Studium dieser Fundstücke gezogen haben, so behielten sie es für sich. Über die ungeklärten Todesfälle im Inneren der Gewölbe gibt es auch nur Spekulationen. Jene, die die Katakomben wieder verlassen haben, entdeckten dort keinerlei Anzeichen für Lebewesen, die in diesem Bauwerk hausen könnten. Auch Schätze oder andere Wertgegenstände wurden dort nie gefunden. Gelegentlich berichten Einwohner des Viertels unterhalb des Einstiegs zu den Katakomben von nächtlichen Lichtern und seltsamen Gesängen und viele Bewohner der Stadt vermuten, daß dort Geister ihr Unwesen treiben. Als im Jahre 992 n.K. die Purpurpocken ausbrechen, kommt das Gerücht auf, das erste Opfer der Seuche sei ein Abenteurer gewesen, der kurz zuvor von einer Expedition in die Katakomben zurückgekehrt sei. Obwohl dieses Gerücht niemals bestätigt wurde, ließ Erzherzog Ricomantris die Zugänge zu dem Höhlenkomplex noch im selben Jahr auf magische Weise versiegeln. Seitdem ist es ruhig geworden um die Katakomben und ihre Existenz gerät allmählich in Vergessenheit…

Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License