Gwandalier

Gwandalier sind vermutlich das größte menschliche Volk Angraenors. Ihre Vorfahren stammen aus dem fernen Westen und kamen nach Angraenor, als die Sklesischen Königreiche fielen (ca. 4500 v.K.). Sie siedelten in den blühenden Ländern der Gwandalischen Halbinsel an und errichteten die ersten Städte dieser Region. Die Nachfahren der Sklesen waren hoch zivilisiert und brachten viele Errungenschaften ihrer Heimat erstmals in die Länder Angraenors. Das junge Volk der Gwandalier, wie sich die Sklesen nach einigen Generationen nannten, begann schon bald, mit den Bornesen um die Vorherrschaft am Gwandalischen Meer zu ringen. Um 4000 v.K. vereinten sich die kleinen gwandalischen Königreiche und die Stadtstaaten an den Küsten zum Großreich Gwandalien und wurden zur Großmacht im Süden Angraenors. Doch um 3000 v.K. sollte das gewaltige Reich, das sich mit dem Imperium der Dhraal messen konnte, ein jähes Ende finden. Scharen wütender Drachen, die die blutigen Drachenkriege im fernen Ernambor überlebten, fielen völlig unerwartet über die Reiche Angraenors her und entfesselten ein Schlachtfest aus Tod und Zerstörung. Gwandalien traf der Überfall der gewaltigen Ungeheuer am heftigsten und innerhalb von Wochen wurde das Großreich buchstäblich ausradiert. Das strahlende Gwandalur, Hauptstadt des gwandalischen Reiches, wurde zerstört und die Zivilisation in Zentral-Gwandalien nahezu vollständig vernichtet. Vermutlich kam weit über die Hälfte der Gwandalier in diesen finsteren Tagen ums Leben. Die Überlebenden flohen in Regionen, die von dem Drachensturm verschont blieben; in die gwandalischen Provinzen Ganiordaes, Skaliverni und in die Hafenstädte. Die Provinzen entwickelten sich zu unabhängigen Reichen und neue Städte, wie Grauflucht weit im Norden, wurden gegründet, doch die Tage eines geeinten Gwandalischen Reiches waren vorüber. Die Population der Gwandalier erholte sich über die Jahrhunderte, doch ihre Heimat blieb verloren. Noch heute ist das Landesinnere der Gwandalischen Halbinsel, einst eine blühende Landschaft und eine Wiege der Kultur und Zivilisation, eine weite, leere Ödniss.

Gwandalier sind ein Volk mit dunklem Haar und brauner Haut. Selbst Gwandalier, die in den nördlichen Regionen leben, haben gebräunte Haut wie ihre Artgenossen, die in den sonnenverwöhnten Reichen des Südens leben.
Sie haben meist braune oder grüne Augen. Gwandalier sind meist recht groß und sind für menschliche Verhältnisse oft sehr gut aussehend. Weibliche Gwandalier sind nicht selten dunkelhaarige, wohlgeformte Schönheiten. Schönheit und ein gepflegtes Äußeres sind Dinge, auf die Gwandalier großen Wert legen. Bei anderen Völkern gelten sie deswegen als eitel, was nicht völlig von der Hand zu weisen ist.
Gwandalier sind ein temperamentvolles und romantisches Volk. Sie lieben Theatralik und große Auftritte und in nahezu jedem Gwandalier steckt ein Selbstdarsteller.
Sie haben eine Vorliebe für bunte, auffällige Kleidung und extravagante Frisuren. Dies ist keine Domäne der Frauen, denn auch männliche Gwandalier betonen ihre Züge durch Schminke und unterstreichen ihre Erscheinung durch manikürte und bemalte Fingernägel, gefärbtes Haar oder kunstvolle Tätowierungen. Angehörige rauerer Völker wie beispielsweise Emnier sehen männliche Gwandalier deshalb oft als verweichlicht und weibisch, was diese als Beleidigung empfinden.
Übermäßiger Haarwuchs wird von den meisten Gwandaliern als abstoßend empfunden und bis auf das Haupthaar entfernen Gwandalier beider Geschlechter den größten Teil ihrer Körperbehaarung. Augenbrauen und Bärte werden stets penibel gestutzt und gepflegt. Vollbärte findet man unter männlichen Gwandaliern höchst selten, da diese Form von Bärten meist mit wilden und unzivilisierten Völkern assoziiert wird. Sie tragen meist dünne und oft kunstvoll getrimmte Schnur- oder Kinnbärte.
Gerade Tätowierungen haben einen besonderen Stellenwert unter Gwandaliern und großflächige und bunte Kunstwerke auf der Haut gelten unter ihnen als Statussymbol. Im Gegensatz zu vielen anderen Völkern empfinden Gwandalier Tätowierungen bei Frauen keineswegs als anrüchig oder stillos. Zu ihren Tätowierungen haben Gwandalier stets einen besonderen Bezug und jedes Motiv hat für seinen Träger eine Bedeutung, die er üblicherweise nur allzu gern erklärt. Gwandalier schätzen Aufmerksamkeit und stehen gern im Mittelpunkt. Sie reden gern und viel und Verschwiegenheit gilt unter ihnen nicht als Tugend. Viele Völker glauben, daß dies mit Indiskretion einher geht und vertrauliche Informationen bei Gwandaliern nicht gut aufgehoben sind; ein Vorwurf, den Angehörige dieses Volkes vehement bestreiten. Sie versichern stets beharrlich, daß ein lockerer Umgang mit Vertraulichkeiten nicht mit der Ehre ihres Volkes zu vereinbaren ist. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen diesen Behauptungen, es ist jedoch Fakt, daß sich Neuigkeiten unter kaum einem Volk so schnell verbreiten, wie unter Gwandaliern. Mit der Wahrheit nehmen Gwandalier es nicht ganz so genau, was sie jedoch nicht als Widerspruch zu ihrem Ehrempfinden sehen. Im Gegenteil; geschicktes Lügen und das subtile Spiel mit der Wahrheit erntet gesellschaftlichen Respekt. Mit plumpen Lügen und offensichtlichen Unwahrheiten kommt man jedoch auch unter Gwandaliern nicht weit. Ränkespiele, Intrige und Diplomatie sind schon seit Ewigkeiten ein fester Bestandteil der gwandalischen Kultur und es gilt nicht als unehrenhaft, sich dieser Mittel zu bedienen. Sie neigen zu Übertreibungen und lieben es, Geschichten (vor allem welche über sich selbst) auszuschmücken und sie dramatischer wirken zu lassen. Bei vielen Völkern löst dieser Hang zu Unwahrheiten und Übertreibungen ein gewisses Misstrauen aus, doch für Gwandalier ist es Alltag und die meisten verstehen nicht, warum sie dadurch weniger vertrauenswürdig sein sollten, als andere Völker. Ein Versprechen zu brechen oder Vertrauen auf andere Weise grob zu missbrauchen gilt auch unter Gwandaliern als verachtenswert. Gwandalier sind das, was andere Völker als „feurig“ bezeichnen. Das Volk ist sehr stolz, gilt als dickköpfig und schnell beleidigt. Gwandalier mögen es nicht, wenn man sich über sie lustig macht oder sie die Zielscheibe von Spott sind, auch wenn sie selten Skrupel haben, über andere zu lachen. Ihr Ansehen ist ihnen stets wichtig. Beleidigungen können sie nur selten hinnehmen und ergreifen umgehend Maßnahmen, um ihr angekratztes Ansehen wieder herzustellen. Ein Gwandalier rückt nur selten von einem geäußerten Standpunkt ab, selbst wenn er sich später als unklug oder unüberlegt erweist. Gwandaliern fällt es schwer, Fehlverhalten einzugestehen oder andere Defizite zuzugeben; etwas, das sie als Eingeständnis von Schwäche ansehen. Oftmals gibt es für zwei streitende Gwandalier, von denen oft keiner bereit ist nachzugeben, nur einen Weg, den Konflikt beizulegen: das Duell. Duelle haben eine Jahrtausende alte Tradition unter Gwandaliern und unterliegen festen Regeln, die bei Angehörigen des Volkes allgemein bekannt sind.
Eine Niederlage im Duell gilt als Eingeständnis von Schuld (wenn es um solche Fragen geht) und als Zeichen der Schwäche. Gwandalier behaupten, daß ein Duell stets gerecht ist und nur derjenige gewinnen wird, der im Recht ist (ganz gleich, welche Fähigkeiten oder Vorteile der Gegner hat), weil die Götter den Sieg des Ungerechten verhindern. Dass dies sehr häufig und offensichtlich nicht der Fall ist, würden die meisten Angehörigen dieses Volkes nicht eingestehen. Da es als feige und unehrenhaft gilt, sich in einem Duell zu ergeben, werden solche Kämpfe überwiegend nur bis zum ersten Blut geführt. Duelle bis zum Tod sind recht selten und gelten nur bei sehr ernsten Umständen als angemessen. Duelle werden fast ausschließlich mit Schwertern, Säbeln und Rapieren geführt, denn der Kampf mit Klingenwaffen hat eine ebenso lange Tradition unter Gwandaliern wie das Duell selbst. Duelle sind üblicherweise eine Männerdomäne. Bei Streitigkeiten zwischen Frauen gilt es nicht als unehrenhaft, wenn diese Männer benennen, die an ihrer Stelle kämpfen, obwohl es wahrscheinlich in keinem anderen Volk so viele kampfbegabte Frauen gibt, wie unter Gwandaliern. Nahezu jeder Gwandalier, unabhängig von seinem Geschlecht, kann mit Klingenwaffen umgehen und der Unterricht in dieser Kunst ist ein fester Bestandteil der Erziehung dieses Volkes.
Dies umfasst auch Angehörige der ärmsten Bevölkerungsschichten, die allerdings häufig mit hölzernen Waffen üben, da sie sich echte Klingenwaffen oft nicht leisten können.
Mut ist eine weitere Tugend unter Gwandaliern und eng mit ihrer Ehre verknüpft.
Von einem Gwandalier wird Mut von der Gesellschaft erwartet. Wenn ein Gwandalier diesem Ideal nicht entsprechen kann, betreibt er gewöhnlich großen Aufwand, diesen Makel zu kaschieren. Der Vorwurf der Feigheit ist eine Beleidigung, die kein Gwandalier hinnehmen kann (unabhängig davon, ob er nun tatsächlich mutig ist, oder nicht).
Gwandalier sind ein sehr emotionales Volk, das großen Wert darauf legt, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen; allerdings stets auf manierliche Weise. Sie legen großen Wert auf gutes Benehmen und selbst in den niedersten Kreisen der Gesellschaft wird stets die Etikette geachtet. Viele Angehörige dieses Volkes beurteilen Fremde zuerst nach ihrem Benehmen und wenn dieses nicht ihren Vorstellungen von Anstand entspricht, können selbst gesellschaftlicher Stand oder Reputation nur wenig dazu beitragen, den Respekt eines Gwandaliers zu erwerben. Gwandalier haben meist einen fröhlichen Charakter und einen Hang zu den angenehmen Seiten des Daseins. Sie feiern, singen und tanzen gern, allerdings stets mit Stil. Im Gegensatz zu Emniern, die für ihre lauten und zügellosen Gelage bekannt sind, bevorzugen Gwandalier opulente, stilvolle Feste. Gerade in den höheren sozialen Schichten haben Bälle und andere prunkvolle Feierlichkeiten einen hohen Stellenwert.
Die Geschlechter sind unter Gwandaliern gleichberechtigt, doch sie legen großen Wert auf einen romantischen Umgang mit einander. Männer behandeln Frauen stets zuvorkommend, umwerben ihre Geliebten mit Liedern und Gedichten und scheuen sich nicht, für sie einzustehen, selbst wenn die Angebetete durchaus in der Lage ist, sich selbst zu behaupten. Ungehobeltes Verhalten gegenüber Frauen ist unter Gwandaliern arg verpönt und ein männlicher Gwandalier eilt einer Frau stets zur Hilfe, wenn sie in Bedrängnis gerät; auch wenn er ihr gegenüber keine romantischen Gefühle hegt. Ein Frauenbild, wie es beispielsweise die Emnier pflegen, empfinden Gwandalier als primitiv und ungehobelt.
Gwandalier legen großen Wert auf ihre Kultur und empfinden Völker, die ihre Lebensweise nicht teilen, häufig als unzivilisiert und minderwertig. Eine Toleranz gegenüber anderen Gesellschaftsformen und Ansichten gehört nicht zu ihren Tugenden, weshalb sie häufig als arrogant und hochnäsig empfunden werden.
Kunst, Literatur und andere Errungenschaften der zivilisierten Völker erfreuen sich unter Gwandaliern große Beliebtheit und nahezu jeder Angehörige dieses Volkes hat gewisse musische Talente.
Gwandaliern ist der Bund der Familie sehr wichtig und Blutsverwandtschaft hat in ihrer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Familien von Gwandaliern halten stets zusammen und selbst wenn sich ein Angehöriger eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hat, stehen seine Verwandten ihm bei; ganz gleich, wie schlimm das Vergehen ist. Beleidigungen gegenüber Familienangehörigen gelten als Verletzung der eigenen Ehre und führen nicht selten zu ernsten Konflikten. Blutrache und brutale Fehden zwischen verfeindeten Familien sind unter Gwandaliern nicht selten.
Magie hat in der gwandalischen Kultur seit Ewigkeiten einen festen Platz und ist hoch angesehen. Allerdings gibt es unter Gwandaliern mehr Zauberer als Magier, da Talent für magische Künste eher vererbt als erlernt wird. Auch Psionik ist den Gwandaliern seit langem bekannt und geistige Kräfte sind hoch angesehen; allerdings bei weitem nicht so verbreitet, wie Magie.
Neben den kromanischen Göttern haben vor allem Drosh, Navir, Pulinis und Kreevalta viele Anhänger unter den Gwandaliern. Das Volk ist allerdings nicht als sonderlich fromm bekannt, denn Gwandalier verspüren eher einen Hang zu weltlichen Dingen als zur Spiritualität. Dennoch sind Priester unter Gwandaliern hoch angesehene Leute.
Gwandalier können jede Gesinnung haben.

Gwandalier sind in den südlichen Regionen häufiger anzutreffen, als im hohen Norden. Die meisten Angehörigen dieses Volkes findet man in Skaliverni, Ganiordaes und den Freien Städten der gwandalischen Halbinsel. In den nördlichen Regionen sind Gwandalier am ehesten in Grauflucht und in den großen Städten Dhraals und Gwendells zu finden.
Da Gwandalier jedoch gewöhnlich gern reisen und stets erpicht darauf sind, neue Eindrücke zu gewinnen, kann man sie in nahezu allen Regionen Angraenors antreffen. Da sie allerdings großen Wert auf die Zivilisation und deren Errungenschaften legen, sind sie in wilden, barbarischen Landstrichen wesentlich seltener.
Gwandalier kommen am ehesten mit den Angehörigen zivilisierter Völker zurecht. Völkern wie Hobgoblins, Sargon und den menschlichen Nomadenvölkern (mit Ausnahme der Vastarki), die sie als unzivilisiert empfinden, stehen sie oft ablehnend gegenüber.
Bei Gnomen und Merkaniern entdecken Gwandalier viele Gemeinsamkeiten mit dem eigenen Volk und üblicherweise kommen sie mit diesen gut zurecht. Unter den menschlichen Völkern sind es vor allem die Enhaerianer und Iqueri, die am ehesten ihren Wertvorstellungen entsprechen. Bornesen gegenüber haben sie nicht immer freundschaftliche Gefühle, da es in der Vergangenheit viele Konflikte zwischen diesen Völkern gab, doch im Allgemeinen begegnen sich diese Völker friedlich. Emnier sehen die Gwandalier wegen ihrer rauen Umgangsformen und ihrer Überheblichkeit oft als Barbaren und die Dhraal mit ihren gänzlich gegensätzlichen Ansichten erscheinen ihnen oft fremdartig und verschlossen. Dennoch hegen die Gwandalier keinerlei Groll gegen andere menschliche Völker.

Volksmerkmale der Gwandalier
▪ +2 Charisma, -2 Konstitution
▪ Volksbonus von +2 auf Diplomatie und Schätzen.
▪ Anfangssprachen: Handelssprache, Gwandalisch.
▪ Zusätzliche Sprachen: Bornesi, Iqueri, Merkanisch, Reptik.
▪ Bevorzugte Klassen: Alle.

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