Leviathane

Unter den Seefahrern der Reiche, für die die mannigfaltigen Gefahren des Bleichen Meeres das tägliche Brot sind, ist kaum etwas so gefürchtet, wie eine Begegnung mit einem der gleichermaßen legendären wie gefürchteten Leviathane.
Diese Kreaturen sind selten und nur weit draußen auf dem offenen Meer anzutreffen.
Nur ausgewachsene Stürme verschlagen diese Tiere gelegentlich in Küstennähe, was für die Schifffahrt schreckliche Folgen haben kann.
Selbst ausgewachsene Wale wirken winzig gegen diese Schrecken der Weltmeere, die eine Länge von hundert Metern und mehr erreichen können.
Leviathane sind lange, Aal-ähnliche Kreaturen, deren riesige Mäulern von viel besungenen, schrecklichen Fangzähnen gesäumt sind.
Alte, ausgewachsene Exemplare können einem dreimästigen Handelsschiff ohne Mühen den hölzernen Rumpf zerreißen und die Besatzung mancher Schiffe mit nur einem Bissen verschlingen.
Fast gefürchteter als ihr Schlund ist allerdings die knöcherne Rückenflosse dieser Ungeheuer, die sich über ihre gesamte Länge erstreckt und bei ausgewachsenen Tieren mehrere Meter in die Höhe ragen kann.
Diese Knochenzacken sind scharf wie Schwerter und können mühelos durch die hölzernen Rümpfe der stabilsten Schiffe schneiden.
Unter Seeleuten heisst es, daß es den sicheren Untergang bedeutet, wenn ein solcher Koloss ein Schiff rammt.

Leviathane sind Einzelgänger.
Es gibt keine Gewässer, in denen sich Beobachtungen dieser Kreaturen häufen, weshalb man annimmt, daß sie sich stetig auf der Wanderschaft befinden.
Leviathane werden uralt und auch wenn man sie häufig die "Drachen der Meere" nennt, so verfügen sie doch keinesfalls über deren Verstand.
Leviathane besitzen allenfalls eine tierhafte Intelligenz, was sie deshalb vielleicht weniger gefährlich, dafür aber auch um so unberechenbarer erscheinen lässt.
Diese gewaltigen Meeressäuger ernähren sich hauptsächlich von Walen, Riesenkalmaren und anderen Seeungeheuern, schrecken allerdings auch nicht davor zurück, Schiffe anzugreifen, wenn sie hungrig sind.
Es heisst, daß Leviathane leicht zu reizen sind und man erzählt sich unter Seefahrern, daß das Flattern und Knattern von Segeln ihren Zorn weckt.
Gründe hierfür sind nicht bekannt, aber erfahrene Kapitäne vergleichen dieses Phänomen mit dem Verhalten wilder Stiere.

Es wurde auch beobachtet, daß Leviathane vor allem Schiffe angreifen, die gegen die Strömung fahren oder kreuzen, ganz so, als würden die damit verbundenen Unruhen in den Strömungen des Wassers ihre Wut entfachen.
Doch die Geschichten über Leviathane sind vielfältig und zahlreich und selbst Gelehrte vermögen nicht zu sagen, welche dieser Erzählungen wahr sind und welche Seemannsgarn, denn bis heute ist kaum ein Wissenssuchender der waghalsigen Idee verfallen, diese zornigen Kolosse der Meere zu studieren.
Manche Leviathane haben es im Laufe der Jahrhunderte zu legendärem Ruf gebracht, wie beispielsweise Fjolneer, der Graue; ein Gigant, der über hundert Schiffe versenkt haben und der die Trümmer dieser Wracks wie Trophäen auf seiner knöchernen Rückenflosse mit sich tragen soll.
Der einäugige Helgor, ein uralter Leviathan, dem ein furchtloser Kapitän bei einem Kampf auf offener See einst ein Auge mit der Harpune ausgestochen haben soll, hat seinen Peiniger bis ins Gwandalische Meer verfolgt und angeblich sämtliche Schiffe im Hafen von Caliphor zerstört, bis die angsterfüllte Besatzung des Schiffes ihren Kapitän schließlich ins Meer und in den sicheren Tod stieß.

Obwohl Leviathane äußerst wohlschmeckend und fetter als Wale sein sollen, ist es nahe liegend, warum sie als Beutetier ungeeignet erscheinen.
Allerdings behaupten Seefahrer, daß die Xurakon der Blutigen Inseln, fern im Osten, Leviathane jagen wie Wale.
Unter den Walfängern Angraenors gelten diese hartnäckigen Gerüchte jedoch als Unsinn, denn außer Magie scheint es nichts unter der Sonne zu geben, womit man einem ausgewachsenen Leviathan zu Leibe rücken könnte, ohne selbst sein Leben dabei zu lassen…

Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License