SC: Bai Khordhor

Bai Khordhor ist ein Spielercharakter in der Wellen des Wahnsinns-Kampagne. Bai wird gespielt von Mantis.
Bai ist Ork-Teufelsblut, Mönch 4. (ECL 7), RN.


Hintergrund : Bai Khordhor

Hlom Khordhors Hobgoblin Klaue befingerte zufrieden den Goldbeutel in seiner Tasche. Mit ausholenden Schritten befand er sich auf dem Rückweg nach Shembanyor. Hinter sich konnte er noch schwach die Lichter von Orch-Gaskar erkennen. Seine Auftraggeber hatten ihn nach Orch-Gaskar geschickt, um dort einen Brief und ein kleines Päckchen in einem Gasthaus zu überreichen. Den Inhalt kannte er nicht, und es war ihm auch egal. Es gehörte zu seinem Verständnis von Professionalität die Ware seiner Kunden unberührt zu lassen. Das schloss sowohl sich selbst, als auch Räuber und schlimmere Kreaturen ein, denen er immer wieder auf seinen Reisen begegnete.
In Shembanyor konnte er sich in den entsprechenden Kreisen durch seine Zuverlässigkeit und Schnelligkeit einen Namen machen. Er kannte sich bestens aus in Ganiordaes und West-Skaliverni. Er kannte jeden Schleichweg und jede Untiefe des Scherben Stroms. Seine Kurier-Dienste, wie er es nannte, waren ein sehr erträgliches Geschäft, gerade dann, wenn die Auftraggeber Piraten waren und ihre Ladungen an schwarzen Lotus in Gandiordaes verteilen wollten…
Hlom zog gerade einen Rubin aus dem Goldbeutel, um ihn in den letzten ebenfalls roten Sonnenstrahlen zu bewundern, als er plötzlich Geräusche vernahm. Er sprang lautlos von der Strasse und versteckte sich im Unterholz des klagenden Waldes.
Er verharrte bewegungslos und versuchte die Geräusche einzuordnen. Es war ein Gewimmer, vermischt mit einem zornigen Knurren. Als er sich der Quelle des Geräusches näherte, entdeckte er im Wald die Leiche eines weiblichen Orks, die bäuchlings auf dem Waldboden lag und sich nicht mehr rührte. Ein Speer ragte aus ihrem Rücken empor wie ein junger Baum ohne Blätter.
Hlom trat noch näher heran und trat die Leiche, um sicherzugehen, dass der Ork wirklich tot war. Erstaunt stellte er fest, dass der Ursprung des Geräusches unter ihr zu sein schien. Mein einiger Anstrengung schaffte er es die Leiche umzudrehen, da der Speer ihren Körper durchdrungen hatte und tief im Boden versunken war. Sie wurde also getötet, als sie bereits am Boden lag…
Als Hlom erkannte, was die Geräusche verursacht hat, die nun aufgehört hatten, hielt er den Atem an. Er starrte in die Augen eines Ork-Babys, Augen die in einem stechenden Gelb zurückstarrten. Das Baby war blutüberströmt und in schmutzige Lumpen eingewickelt, doch Hlom konnte trotzdem die ork-untypische rötliche Hautfarbe des Kindes erkennen, die das Kind noch schmutziger aussehen ließ.
Ihm war sofort klar, dass es sich um kein normales Kind handeln konnte und das dies vermutlich auch der Grund war, warum die Mutter sterben musste. Die Ork-Stämme im klagenden Wald haben sehr verdrehte, undurchschaubare Sitten und Riten.
Hlom brach den Speer, der noch immer in dem Ork stak mit einem Ruck ab und richtete die Spitze auf das Baby, was ihn unverwandt anstarrte. Beide rührten sich nicht. Nach einem Moment des Zögerns warf er den Speer weg und nahm das Baby vorsichtig auf seine Arme…

Bai sog die frische Meersluft ein, die mit einer leichten Briese in den Hafen Shembanyors getragen wurde. Sein Blick lag auf der Reißzahn, dem Schoner den Hlom sich letztes Jahr zugelegt hatte, um auch Aufträge zu erledigen, die ihn zu den Inseln in der Bucht vor Shembanyor lagen. Gerade verlässt die Reißzahn den Hafen, um einen Auftrag in Naviria zu erledigen.
Er hörte Gelächter hinter sich und drehte sich um. Er sah Gasloh, ein Mädchen aus der „Vogel tränke“, dem Freudenhaus, welches er und Hlom ihr Zuhause nannten. Dort hatte er Freunde und Familie gefunden.
Gasloh war gerade dabei sich mit einem Seemann zu unterhalten. Sie lachte scheinbar über einen schlechten Witz, den er gerade gemacht hat. Gasloh, kaum älter als Bai, vielleicht 18 Jahre alt, war eine recht erfolgreiche Hure. Sie besaß sehr viel Geschick und brachte fast jeden Mann oder jede Frau dazu mit ihr mitzugehen.
Doch heute schien sie keinen Erfolg zu haben. Der Seemann wollte nicht anbeißen, also verabschiedete sie sich mit einer Umarmung vom ihm und schlenderte weiter. Erheitert blickte sie zu Bai, einen kleinen Beutel mit der Heuer des Seemanns in ihren Händen. Bai lächelte zurück und kam ihr entgegen.
Doch das Lächeln gefror ihm sofort als er bemerkte, wie der Seemann seine Taschen abklopfte und sich nach Gasloh umsah. Er erblickte sie und rannte auf sie zu.
Bai machte Gasloh ein Zeichen, woraufhin sie sich sofort in eine Seitengasse verdrückte. Bai und der Seemann kamen gleichzeitig an der Seitengasse an. Der Seemann hatte ihn nicht bemerkt und wollte weiterlaufen, doch Bai trat ihm beiläuft seitlich gegen sein Knie, so dass er schreiend zu stürzte. Bai schaute sich schnell um und entdeckte drei weitere Seemänner, offensichtlich Kameraden des einen, der sich mittlerweile fluchend aufrichtete.
Bai wandte sich zu den Neuankömmlingen zu. Er baute sich vor ihnen auf und starrte sie mit seinen gelben Augen an. Die drei Seemänner wurden sofort langsamer und blieben sogar stehen. Für einen kurzen Moment schien die Zeit angehalten zu sein, bis die drei sich gleichzeitig, wie auf ein geheimes Zeichen hin, umdrehten und wegliefen. Bai ärgerte sich, dass er so viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkte hatte, denn alle Personen in unmittelbarer Nähe schauten ihn jetzt furchtsam an.
Alle, bis auf den verbliebenen Seemann, der wieder auf den Beinen war und Bai wütend angriff. Bai blockte den Faustschlag ab und konnte die Hand packen. Er verdrehte sie und zog sie zu sich heran, während er mit seiner anderen Faust zuschlug. Der Schlag brach dem Seemann die Nase und das Jochbein. Bai versetzte ihm blitzschnell eine Reihe von Schlägen, die den Seemann Sterne sehen ließen. Ein Tritt von unten ans Kinn ließ ihn erneut zu Boden gehen lassen, wo er bewusstlos liegen blieb. Bai wischte sich am Hemd des Seemanns das Blut von den Händen, ordnete seine Kleidung und verließ den Hafen.
Hlom hatte ihm beigebracht, wie man sich auf der Straße zu wehren hat. Die Techniken, die er anwendet sind meist darauf ausgerichtet einen Gegner kampf- und bewegungsunfähig zu machen. Sie können aber ebenso tödlich sein…

Bai hatte schon viele gefährliche Situationen in seinem Leben überstanden. Von den wildesten Stürmen, gegen die er die er auf der Reißzahnkämpfen musste, um nicht im Scherben Strom zu kentern, bis zu Räuberbanden, die ihn in den Wäldern auflauerten. Doch noch nie fühlte er sich so hilflos wie zu jener Zeit, als die purpurnen Pocken über die Küstenregionen herfielen.
Bai und Hlom hatten mittlerweile ein gutlaufendes Kurier-Geschäft aufgebaut, mehrere Mitarbeiter eingestellt, die nun die Touren durch Ganiordaes machten. Als die ersten Opfer der Pocken starben und klar wurde, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelte, wollte Hlom alle seine Leute in Sicherheit wissen, und hat alle zurück nach Shembanyor beordert. Doch es war bereits zu spät und einer der Unglücklichen hatte sich bereits infiziert. Hlom und Bai bemerkten dies zu spät. Ein Fehler, der nicht nur den anderen Mitarbeitern sondern auch Hlom das Leben kostete.
Bai musste mit Entsetzten zu sehen, wie sein Ziehvater innerhalb von Stunden verging.
Sie waren nicht die einzigen Opfer, ganz Shembanyor und auch andere Städte waren betroffen. Zu allem Übel bekamen die überlebenden Bewohner eine Panik und verließen Fluchtartig Shembanyor, wobei es zu Plünderungen und Chaos kam. Bai konnte gerade noch bevor die lichterloh brennenden Geschäftsräume einstürzten einen Holzkasten bergen, eine Lieferung eines Kunden, von dem Bai wusste, dass er bereits den Pocken erlegen war. Als Bai, den Kasten umklammert, aus dem Inferno trat und die erstaunten und verängstigten Gesichter der anderen Bewohner sah, wurde ihm schlagartig klar, dass er nun alles verloren hatte. Hlom, das Geschäft, die Freunde. Alles wurde ihm von den Purpurnen Pocken genommen. Er sah keinen Sinn mehr darin seine besonderen Fähigkeiten geheim zuhalten, da er eh die Stadt verlassen würde. Er öffnete den Kasten, holte die reichverzierte Flinte und das Holster heraus und hängte sich beides auf den Rücken. Tränen wegzwinkernd verabschiedete er sich von Shembanyor, seiner Jugendzeit und Hlom…

Bai ist einige Zeit durch Ganiordaes gezogen und hat kleinere Aufgaben bei großen Transport-Unternehmen angenommen. Er wusste nicht recht, wie er weitermachen sollte. Die kleinen Aufträge haben ihn zwar am Leben erhalten, aber er merkte, dass er Unzufrieden war. Er beschäftigte sich immer mehr mit seiner Vergangenheit, nicht nur die Zeit mit Hlom, sondern er versuchte herauszubekommen, wo seine Wurzeln lagen. Durch die Erzählungen von Hlom wusste er, dass er vermutlich von den Bleichen Orks abstammte. Doch er fragte sich, warum diese ihn und seine Mutter töten wollten. Er fand einiges über die Orks und deren Bräuche heraus. Auch über die religiösen Riten, den Beschwörungen von Teufeln, die finsteren Feste, die dort immer noch gefeiert werden. Wie die Orks zu einer Vereinigung zwischen einem Teufel und einer Gläubigen stehen, ist ihm nicht vollkommen klar, doch anhand der Reaktion auf seine Geburt, ging er davon aus, dass er bei den Bleichen Orks nicht erwünscht sein würde.
Als er mit seiner Recherche begann, hatte er sich noch gewundert, warum er erst so spät anfing sich dafür zu interessieren. Er realisierte, dass Hlom es sehr geschickt vermocht hatte, ihn mit anderen Dingen zu beschäftigen und ihn von diesen Fragen abzulenken. Vermutlich wollte Hlom ihn schützen.
Als Kind war er sehr erschrocken über die Fähigkeiten, die er besaß. Die anderen Kinder haben oft einen großen Bogen um ihn gemacht. Er verfluchte sein Schicksal, doch Hlom hatte ihm beigebracht die Wut und den Zorn zu nutzen. Hlom brachte ihm die Kampfkünste bei. Er trainierte Bai zunächst darin, sich waffenlos zu verteidigen. Hlom erkannt schnell das Potential in Bai und beschloss ihn als seinen Schüler zu betrachten. Bai war sehr wissbegierig und fleißig. Die Zeit verging und Bai erlangte ein Stadium, in dem er seinen Körper bis ins letzte Glied kontrollieren konnte. Doch von da an, begann seine eigentliche Ausbildung. Er konnte nichts mehr von Hlom lernen, sondern musste von sich selbst lernen. Hlom nannte es den Geist auf Wanderschaft gehen zu lassen, eine Wanderschaft die nie endet, es ist ein ewiger Prozess, ein Streben nach Verbesserung, bei dem nie das Beste erreicht wird. Erst als Bai verstanden hatte was Hlom damit meinte, konnte er Kraftreserven seines Körpers mobilisieren, von denen er nie wusste. Er fing an seinen eigenen Kampfstil zu entwickeln, wie jeder der sich auf diesen Weg eingelassen hatte. Er konnte alleine trainieren, ohne Hloms Anweisungen. Im Training findet er noch heute Trost. Er hat das Gefühl, dass Hlom wenigstens auf diesem Weg sein Begleiter ist.
Bai hatte bei seinem letzten Auftrag einem Gelehrten ein Amulett überreicht. Der Greis erklärte Bai, dass es von den Bleichen Orks stammte. Sie unterhielten sich eine Weile und Bai wurde geraten sich in Glazuria umzuhören. Dort soll es einige Leute geben, die sich im klagenden Wald auskennen. Bai ergriff die Gelegenheit und machte sich auf den Weg nach Glazuria…

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