Thowa Silberstern

Thowa Silberstern ist ein Spielercharakter in der 'Claverulum'-Kampagne. Gespielt wurde er von Mantis.
Thowa ist ein Mensch (Gwandalier), Kämpfer 4. / Magier 4., CG.


Der folgende Text ist die Vorgeschichte von Thowa, der im Laufe seiner Abenteuer mit Dermot einigen Gefahren ausgesetzt war…

Mondlicht strahlte durch eines der großen Fenster und vertrieb die Dunkelheit ein wenig, doch das Licht war nicht sehr hell. Es war der richtige Moment für Thowa seine Reise anzugehen. Es war alles sorgfältig vorbereitet.
Thowa schlich durch einen langen Flur des Anwesens seiner Eltern, darauf bedacht keine Geräusche zu machen. Darin war er mittlerweile geübt. Er hatte seit seinem zwölften Lebensjahr mit Duncan der Hauswache heimlich Kampfübungen gemacht, wovon die Hausherren nichts hielten. Sie hatten für Thowa eine Ausbildung zum Gelehrten und Magier im Sinn, damit er ihre Tätigkeiten bei einer gnomischen Händlergilde in Severna übernehmen konnte. Thowa hatte andere Pläne.
Schon sehr früh langweilten ihn die trockenen Lehrstunden mit Nestor dem Privatlehrer. Er war alt und hatte schon viele Kinder reicher Händler oder Adeliger ausgebildet. Doch er war ein Mensch dem jegliche Leidenschaft fehlte. Immer sah er so aus, als sei er unzufrieden und in seinem Blick konnte Thowa meist nur Verachtung für seinen Schüler entdecken. Zuerst suchte Thowa die Fehler noch bei sich selbst. Er gab sein bestes und erledigte seine Aufgaben ohne zu murren. Selbst die Aufgaben die seine Disziplin stärken sollten und die stundenlange, monotone Arbeit nach sich zogen, beendete Thowa mit Ernsthaftigkeit und Fleiß. Doch nie kam auch nur ein Wort des Lobes oder Anerkennung über die Lippen des Lehrmeisters. So gingen viele Monate der Ausbildung vorüber. Thowas Eltern, Sigurda und Kolma Silberstern, beachteten Thowas klagen nicht, sie waren mit ihren Handelsfragen beschäftigt, wo gab es eine reiche Getreideernte? Wo eine Dürre? Fand man Abnehmer für den Tee der im Raum des gwandalischen Meeres angebaut wurde und im Norden schwer zu bekommen war? Lohnte es sich für diese oder jene Tätigkeit ein Konstrukt zu mieten oder gar zu kaufen… All diese Fragen ließen es nicht zu, dass Sigurda und Kolma sich mit ihrem einzigen Sohn auseinandersetzten.
So kam es, das Thowa so schnell wie möglich seine Ergebnisse und Arbeiten bei dem grauhaarigen und muffigriechenden Nestor abgab und sich immer mehr zurückzog. Er träumte von großartigeren Dingen, von Abenteuern, Reisen in ferne Länder und Ruhm!
Eines Abends saß Thowa im Garten des Anwesens und träumte vor sich hin. Es war kurz nach seinem zwölften Geburtstag. Er fragte sich, ob er je den alten Nestor zufrieden stellen könne, oder ob Nestor vorher an Altersschwäche starb. Thowa spielte mit der Hand im Wasser des Springbrunnens, als er Schritte auf dem Marmorboden hinter sich hörte. Tapp, Plock, Tapp, Plock. Es war Duncan, eine der Hauswachen. Er war schon vor Thowas Geburt von Kolma angestellt worden, da es angebracht war, das Anwesen, welches über mehrere Zimmer auf zwei Stockwerken und einen Innenhof verfügte, zu bewachen. Duncan war eine der sechs Wachen die mit dem anderen Personal in dem Gesindetrakt des Hauses lebten.
„Was geht euch durch den Kopf?“
„Ich langweile mich nur“, seufzte Thowa, „Nestor ließ mich bis eben Längenangaben in gnomische Meter und Zentimeter umrechen.“
„Hm, das scheint wahrlich nicht spannend zu sein.“, sagte Duncan mit einem Grinsen. „Würde es euch vielleicht gefallen eine Geschichte zu hören?“
Duncan ließ sich am Rand des Brunnens nieder und begann eine seiner Geschichten zu erzählen, die er während seiner Tage als Abenteurer in Ganiordaes erlebt hatte. Natürlich hatte Thowa schon einige von Duncans Geschichten gehört, doch es machte ihm immer wieder Spaß sich vorzustellen, er hätte all diese Abenteuer bestritten. Duncan erzählte wieder einmal seine Lieblingsgeschichte, die, in der er sein linkes Bein unterhalb des Knies verlor. Er war auf der Jagd nach Slaad, den krötenartigen Invasoren im Süden Ganiordaes, doch er geriet mit seinen Gefährten in einen Hinterhalt. Sie wurden übel zugerichtet und die Slaad töteten viele seiner Gefährten. Schließlich gelang es einem von Duncans Waffenbrüdern, einem Priester, die Slaad mit Hilfe göttlicher Magie zu vertreiben. Doch für Duncan war es fast schon zu spät. Der Priester rettete Duncan, so dass er wenigstens am Leben blieb, doch sein Bein war verloren. Duncan beendete seine Geschichte. Danach herrschte ein Moment der Stille, in dem Thowa und Duncan ihren Gedanken nachgingen.
Plötzlich stand Thowa auf und sagte „Duncan, bringt mir bei zu Kämpfen!“
Duncan schaute lange in die flehenden Augen des Jungen. Als Thowa schon dachte, der Wachmann würde zu seinen Eltern gehen, um mit ihnen über die absonderlichen Wünsche ihres Sohnes reden, wich dem nachdenklichen Ausdruck auf Duncans Gesicht ein breites Grinsen…
Von diesem Zeitpunkt an änderte sich Thowas Leben. Tagsüber erledigte er Nestors Aufgaben mit neuer Energie. Er beklagte sich nicht mehr über die sinnlosen Tätigkeiten und löste selbst die kniffligsten Aufgaben mit Bravur. Nestor bemerkte diesen Unterschied sofort und fragte sich im Stillen, ob der Junge nun dem Rausch-Kraut oder schlimmeren verfallen sei, doch er traute sich nicht seine Vermutung zu äußern.
Jede freie und unbeobachtete Minute, meistens des nachts, verbrachte Thowa damit Kampfübungen mit Duncan abzuhalten oder einfach nur still im Bett liegend die Bewegungsmuster im Kopfe zu wiederholen, die er kurz zuvor von seinem neuen Lehrmeister gezeigt bekommen hatte, um sie beim nächsten Training gleich auszuprobieren.
So vergingen die Jahre bis Thowa neunzehn Jahre alt wurde. Es war mittlerweile fast die Zeit, in der er seine ersten Aufträge für die Händlergilde übernehmen sollte. Der alte Nestor war kaum noch in der Lage zu gehen, noch Thowa etwas Neues in Bezug auf arkanes und geographisches beizubringen und für Duncan wurde Thowa, aufgrund Duncans Behinderung, ein ernstzunehmender Gegner. Thowa konnte besonders gut mit dem Langschwert umgehen. Es schien fast wie ein Tanz, wenn sich Thowa bei Morgendämmerung im Innenhof imaginären Gegnern stellte. Kraftvoll und geschmeidig focht er mit der Luft. Er ließ das Schwert von oben hinabsausen, drehte sich schnell um sich selbst und stach mit dem Schwert zu. Die Bewegungen flossen dahin, als ob es für Thowa so natürlich wäre, wie das Gehen.
Duncan schaute ihm dabei zu und ihm wurde bewusst, das Thowa auch von ihm nicht mehr viel lernen konnte.
Eines Nachts kam Thowa in Duncans Zimmer und berichtete das Kolma sagte, es sei an der Zeit für Thowa in den ehrhaften Beraterstand aufzusteigen und die Interessen des Handelsunternehmens zu vertreten. Für Thowa gab es keine Schlimmere Vorstellung als diese und so schmiedete er mit Duncan einen Plan.
Thowa begab sich leise in die Speisekammer und verstaute noch die letzten Reisevorräte in seinem Rucksack. Ansonsten hatte er schon alles für seine Reise besorgt. Eine lederne Rüstung und ein eigenes Langschwert hatte er von Duncan als Abschiedsgeschenk erhalten und angelegt. Doch fast wichtiger als die Ausrüstung war ein weiteres Geschenk Duncans. Er hatte seine Kontakte im severnischen Hafenviertel spielen lassen und eine Überfahrt auf einem Frachtsegler nach Grauflucht organisiert. Der Kapitän der Meerengel, ein Dhraal namens Lingsolm, versprach Duncan, dass er keine Fragen über seinen Passagier stellen würde. Das Reiseziel hätte für Thowa nicht besser sein können. Grauflucht war eine Stadt auf einer sumpfigen Insel im Brodelnden Meer, östlich von Kandanur, dem gnomischen Großreich, und westlich vom wilden und karg besiedelten Norbrien. Grauflucht ist seit langer Zeit eine unabhängige Handelsstadt, die eine sehr alte Geschichte besitzt, und die vor allem dafür bekannt ist, dass ihre Bewohner besonders tolerant sind. Das ist ein Grund dafür, warum man in Grauflucht eine schier unendliche Vielfalt an Rassen, Religionen, Kulturen und Abenteuern findet. Genau das also, was Thowa suchte.

Die Kabine war fensterlos und stickig. Thowa befand, dass es an der Zeit war sie zum letzten mal zu verlassen. Gestern, als ein Matrose Thowas Essen brachte, sagte er, dass die Meerengel morgen Abend in Grauflucht einlaufen würde, wenn das Wetter sich nicht völlig ändern würde. Die Reise verlief ereignislos. An den ersten Tagen hatte sich Thowa recht häufig an Deck aufgehalten, direkt an der Reling, doch bald war er zu erschöpft, um noch etwas von seiner Seekrankheit zu bemerken. Es war Anfang November und das Meer war rau. Eine ungünstige Zeit für Landratten, um sich mit der Seefahrt anzufreunden… So vergingen die zehn Tage der Reise recht schnell für Thowa.
Er verstaute sein Zeug im Rucksack, ging an Deck und blickte über das Meer und auf die untergehende Sonne. Es war etwas stürmisch geworden und die Meerengel schaukelte auf und ab, wie eine dieser gnomischen, dampfbetriebenen
Schaukeln an denen sich Kinder erfreuen. Achtern konnte Thowa den Kapitän und den Steuermann entdecken, die sich unterhielten, doch als Thowa es geschafft hatte zu ihnen zu gelangen, war die Unterhaltung bereits beendet. Der Kapitän war ein großer Mann mit einem langen schwarzen Bart und er hatte graue, harte Augen, die starr nach Norden gerichtet waren. Thowa hatte schon vorher versucht sich mit dem Kapitän zu unterhalten, doch jeder Versuch wurde vereitelt. Der Kapitän schien nicht nur keine Fragen an seinen Passagier zu haben, er hatte keinerlei Interesse an ihm.
„Wann werden wir Grauflucht erreichen, Kapitän?“
„In einer Stunde“
„Kann man es schon sehen?“
„Ja“
Es folgte ein Moment des Schweigens und des starr geradeaus Blickens, dann hob der Kapitän den Arm und deutete nach Norden, wo sich dunkle Umrisse aus der nebeligen Dämmerung schälten. Thowa ging zum Bug des Schiffes und konnte es kaum erwarten wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Vor ihnen, in der Mündung des mächtigen Flusses Grauschleier, erhoben sich die zahlreichen Türme und Mauern des prächtigen Graufluchts, Schmelztiegel der Kulturen. Hunderte von Lichtern erhellten die Nacht und bereiteten den Gästen einen eindrucksvollen empfang.

Die Sonne ist gerade untergegangen. Die Meerengel hatte an einem großen Kai festgemacht und kaum war sie vertäut, strömten schon Hafenarbeiter wie Ameisen an Bord, um die Fracht zu löschen. Thowa stand immer noch am Bug des Schiffes und schaute mit großen Augen begeistert auf den Hafen. Severna war auch eine große Handelsstadt mit Hafen, trotzdem schaute Thowa auf die Stadt hinunter, als ob er noch nie etwas Vergleichbares gesehen hätte. Das Leben, das in diesem Hafen pulsierte, ließ Thowa das Herz höher schlagen.
Hier werde ich das finden, was ich mein bisheriges Leben so sehr vermisst habe. Ein Abenteuer, eine Herausforderung. Vielleicht stelle ich mich unter Sold, oder ich stelle mich der Garde von Grauflucht vor. Die könnten sicher einen Magiebegabten Kämpfer unterbringen. Diese Gedanken gingen Thowa durch den Kopf. Er drehte sich ruckartig um und hüpft fast zur Planke. Der Kapitän stand an der Reling und überwachte die Arbeiter.
„Kapitän, ich danke euch für die Überfahrt. Ich bin sicher, ihr werdet eure Verschwiegenheit beibehalten.“, Thowa griff in seinen Geldbeutel und gab dem Kapitän eine Goldmünze. Der Kapitän schaute für einen kurzen Moment gierig auf das Gold und nahm die Münze. Thowa sah den Kapitän das erste Mal lächeln.
„Ihr seid sehr großzügig! Wir werden hier so schnell wie möglich losmachen und unsere Reise nach Dhraal wiederaufnehmen. Wenn das Wetter nicht zu hart mit uns ist, werden wir vielleicht noch eine Handelsfahrt unternehmen. Dann aber wahrscheinlich den Goldenen Strom hinauf. Wir werden kurz wieder in Grauflucht Halt machen. Falls ihr es wünscht könnt ihr uns wieder begleiten. Also haltet Ausschau nach uns.“
Der Kapitän drehte sich um und prüfte wieder die Arbeiter.
„Möge Navir euch ihr Lächeln schenken“, sagte Thowa noch etwas irritiert von der plötzlichen Gesprächigkeit des Kapitäns.
Thowa schnallte sich den Rucksack um und sprang von Bord. Er ging den Kai entlang und dachte, dass bis jetzt alles gut gelaufen ist und sich wohl alle in Severna wundern werden, wie er so plötzlich verschwunden ist. Er musste fast lachen, als er sich seinen Vater vorstellte, der wutentbrannt in seiner Bibliothek auf und ab lief und sich überlegte, wie er den gnomischen Händlern erklären sollte, dass sein Sohn nun doch nicht bei ihnen anfangen wird. Mit diesen Gedanken und einem Lächeln im Gesicht lief Thowa den Kai entlang.

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