Thalisier

Thalisier werden in Angraenor, entweder aus Respekt oder aus Spott, als das Fromme Volk bezeichnet. Es gibt kein menschliches Volk in den Reichen Angraenors, dessen Kultur so fest im Glauben verankert ist, wie die Thalisier.
Jene Menschen, die als Thalisier bekannt sind, sind die Nachfahren jener, die mit dem Kreuzzug unter Thengbran von Yalta im Jahre 152 n.K. aus dem fernen Thalisien nach Angraenor kamen. Die meisten dieser Menschen kamen aus den Reichen Thebenôr und Bregantalos, und noch heute zeigen sie große Ähnlichkeit mit den Bewohnern dieser Reiche. Auch wenn Menschen aus anderen Reichen Thalisiens – wie Zalaniris oder der Republik Lasseltra – zu Yaltas Kreuzzug gehörten, so waren die Thebenôri und Bregantiner in einer solchen Überzahl, daß ihr Erbe bei ihren Nachfahren dominierte. Die Thalisier, wie diese Menschen von den anderen Völkern genannt wurden, befreiten Vandelari vom Joch der Nekromantenkönige und brachten den Glauben an Krom nach Angraenor; ein Ereignis, das wie kaum ein anderes seine Spur in der Geschichte der Reiche hinterließ.

Thalisier sind ein großes, hellhäutiges Volk. Sie haben überwiegend helles, braunes oder blondes Haar und fast ausschließlich blaue oder grüne Augen. Thalisier haben häufig rundliche Gesichter, eine hohe Stirn und große, breite Nasen. Viele Angehörige des Volkes haben ein fliehendes Kinn, welches männliche Thalisier gern unter dichten Bärten verbergen.
Thalisier gelten als das stolzeste Volk unter den Menschen. Ihre thalisischen Vorfahren lebten vor der Ankunft Kroms in den thalisischen Reichen als Sklaven der Elfen und erst die neue Religion vereinte sie und brachte ihnen ihre Freiheit. Noch heute sind die Thalisier stolz auf die Taten ihrer. Die meisten sind überzeugt, daß erst ihre Ankunft in den angraenischen Reichen die Zivilisation in diesen Teil der Welt brachte; eine Ansicht, die immer wieder zu Streit mit Angehörigen der Dhraal oder der Gwandalier führt. Man beschreibt Thalisier oft als engstirnig und intolerant; Wesenszüge, die sich sicher nicht in allen, aber in vielen Angehörigen des Volkes wieder findet. Sie berufen sich auf die Schriften des Krom, in denen die Menschen als Krönung der Schöpfung und Herrscher der Materiellen Ebene genannt werden und auch wenn dort stets nur allgemein von Menschen geschrieben wird, glauben die meisten Thalisier, daß damit vor allem ihr eigenes Volk gemeint ist. Viele Thalisier sind der Ansicht, daß Krom ihr Volk, als das erste, das seinem Ruf folgte, allen anderen menschlichen Völkern gegenüber bevorzugt. Im Laufe der Jahrhunderte haben die meisten Thalisier jedoch begriffen, daß sie mit dieser Ansicht bei den Menschen anderer Völker auf wenig Gegenliebe stoßen und vermeiden es meist, diese Überzeugung zur Sprache zu bringen. Sie sehen sich selbst als einfache, ehrbare und geradlinige Leute und haben für Exzentrik, übertriebene Höflichkeit und Umgangsformen wenig übrig. Ein Thalisier sagt, was er denkt und sieht wenig Sinn darin, diese Worte hinter blumigen Formulierungen zu verbergen.
Thalisier sind ein Volk zäher Arbeiter, das keine körperlichen Mühen scheut, um Wohlstand zu erwerben und Dinge zu schaffen, die von Dauer sind. Sie sind stolz darauf, daß ihre Vorfahren die menschlichen Reiche Thalisiens aufbauten und formten und sind ebenso stolz auf den Einfluss ihres Volkes auf die Reiche Angraenors. Leute, die für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten, ernten den Respekt der Thalisier und Arbeiter, Bauern und Handwerker genießen bei ihnen gewöhnlich ein höheres Ansehen, als Gelehrte, Künstler oder andere Leute, die eher ihren Geist bemühen, als ihren Körper. Sie sind bekannt für ihre Genügsamkeit. Thalisier Jammern und Klagen nicht und tragen jede Bürde und Not mit Würde und erdulden sie mit Beharrlichkeit. Schon kleinen Kindern wird beigebracht, mit Schmerzen, Angst und anderem Leid umzugehen und es klaglos zu erdulden, um nicht als verweichlicht zu gelten. Das bedeutet jedoch nicht, daß Thalisier jeden möglichen Lebensumstand hinnehmen und wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, werden sie schnell aufsässig. Durch ihre Geschichte legen sie großen Wert auf Autonomie und es heisst, daß Thalisier nur vor Angehörigen des eigenen Volkes das Knie beugen. Heutzutage ordnen sich Thalisier, die außerhalb ihrer Heimatregionen leben, auch Herrschern anderer Völker unter, jedoch oft eher aus Vernunft als aus Respekt. Es heißt, Nicht-Thalisier hätten es deutlich schwerer, den Respekt und das Vertrauen eines Thalisiers zu gewinnen, als Angehörige ihres eigenen Volkes.
Fast jeder Thalisier verspürt den Wunsch, der Tradition seiner Vorfahren zu folgen und etwas zu schaffen, das Bestand hat; sei es, ein Haus zu errichten, an einem monumentalen Bauwerk mitzuwirken oder Kinder groß zu ziehen, die eines Tages etwas in den Reichen bewegen. Jeder Thalisier möchte eine Spur auf dem Anlitz seiner Heimat hinterlassen und etwas vollbringen, auf das seine Nachkommen stolz sein können. Familie, Tradition und das Vermächtnis ihrer Ahnen ist ihnen äußerst wichtig und Thalisier bevorzugen es, unter sich zu bleiben, wenn es um diese Aspekte geht. Heiraten oder Liebesbeziehungen mit Angehörigen anderer Völker sind hochgradig verpönt und solche Paare haben in der Gesellschaft von Thalisiern einen äußerst schweren Stand. Nicht selten werden Kinder, die sich diesem Brauch nicht beugen wollen, von ihren Angehörigen verstoßen. Selbiges gilt für fremde Kulturen und Errungenschaften. Thalisier stehen allem Fremden und Neuen zuerst mit Misstrauen gegenüber und mit kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen tun sie sich schwer. Thalisische SpieleEine äußerst beliebte Freizeit-beschäftigung unter Thalisiern ist das Spielen.
Kaum ein Volk Angraenors kennt derart viele Spiele wie die Thalisier und alle Generationen treffen sich in den Spielhäusern thalisischer Siedlungen, um Ablenkung und Kurzweil in Spielen wie Poklash (ein Würfelspiel mit zwölfseitigen Würfeln aus der lassaltrischen Republik Yalta), Shervis (ein kompliziertes Kartenspiel) oder Mirvas (ein Brettspiel aus Bregantalos) zu finden. Vor allem Mirvas, ein äußerst komplexes Brettspiel, bei dem die Spieler Armeen aus unterschiedlichen Spielsteinen gegen einander ins Feld führen, ist eng mit ihrer Kultur verbunden. Bei diesem Spiel kommt es mehr auf taktisches Verständnis, als auf Glück an und Thalisiern, die großes Können in Mirvas zeigen, wird viel Respekt entgegen gebracht.

Moderne Technologien wie Dampfmechanik und Feuerwaffen werden von vielen Thalisiern noch immer verpönt, auch wenn diese Errungenschaften bei anderen Völkern schon längst zum Alltag gehören. Genauso traditionell ist auch ihr Bild von der Familie und der Rolle der Geschlechter. Das Wort der Alten hat traditionell mehr Gewicht, als das der jüngeren Generationen; gänzlich unabhängig von Argumenten. Männer sind für den Schutz der Familie und den Lebensunterhalt verantwortlich, während die thalisischen Frauen sich um Haushalt und das Aufziehen der Kinder zu kümmern haben. In der Gesellschaft haben Männer größeren Einfluss und Frauen haben es meist schwer, sich in dieser von Männern dominierten Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Frauen, die von diesen Traditionen abweichen und in die Domänen der Männer vorzudringen versuchen, haben keinen leichten Stand in der Gesellschaft der Thalisier.
In den meisten thalisischen Familien haben Männer das Sagen und Frauen können sich oft erst im höheren Alter Respekt verschaffen. Viele Familien kennen auch noch die Tradition, daß Söhne das Handwerk des Vaters lernen; ganz gleich, ob sie Talent dafür aufbringen, oder nicht.
Thalisier haben eine große Vorliebe für Geschichten ihrer Vorfahren und Barden und Geschichtenerzähler sind unter ihnen sehr beliebt. Vor allem Heldengeschichten über Thalisier, die große Taten im Dienste ihres Volkes verbracht haben, mögen sie sehr und sie kennen eine große Zahl von Volkshelden. Tengbran von Yalta, Barandinus und Mekvin, der schurkische Barde, sind nur einige der unzähligen Helden, um die sich etliche Geschichten und Legenden ranken. Die Thalisier Angraenors lieben Pfeifenrauch und in Gesellschaften mit mehreren anwesenden Thalisiern, die Zeit haben, ist die Luft schnell dick vom Rauch.
Thalisier können im Grunde jede denkbare Gesinnung haben, sie verspüren jedoch einen großen Hang zur Ordnung und der größte Teil des Volkes ist rechtschaffen.
Die meisten Thalisier sind sehr religiös und fast alle verehren Krom und die kromanischen Gottheiten. Auf den Lehren Kroms fußen auch die Moralvorstellungen der meisten Thalisier. Die wenigen anderen Götter, die von größeren Teilen des thalisischen Volkes verehrt werden, sind Xor, Drosh und Kreevalta. Thalisier verehren ihre Gottheit meist mit Inbrunst und einer Überzeugung, die an Fanatismus grenzt. Dies ist einer der Gründe dafür, daß radikale Glaubensgemeinschaften wie die Verkünderkirche unter den Menschen dieses Volkes so viele Anhänger haben. Es fällt ihnen schwer, andere Glaubensbekenntnisse zu akzeptieren und sie neigen dazu (nicht nur in Bezug auf die Religion) Andersartigen mit Ablehnung zu begegnen oder diese gar zu unterdrücken. Priester sind die einzigen Thalisier, die über magische Kräfte gebieten.
Magier und Hexer sind unter Thalisiern kaum zu finden, denn laut den Schriften des Crom ist arkane Magie etwas, das nicht in die Hände der Sterblichen gehört und viele sehen das Nutzen solcher Kräfte als Ketzerei. In Gesellschaften von Thalisiern tun Magier und Hexer gut daran, ihre Kräfte zu verbergen, denn im besten Fall werden sie gemieden oder verjagt und im schlimmsten Fall gelyncht. Psionik gilt zwar nicht als ketzerische Praktik, doch nur wenige Thalisier zeigen Talent für diese Kunst und wie alles Fremde und Seltene wird Psionik mit Misstrauen und Ablehnung betrachtet.

Die meisten Thalisier findet man im Reich Vandelari, wo sie die vorherrschende Volksgruppe sind. Nirgendwo sonst in den Reichen wird man so ursprüngliche Gemeinschaften von Thalisiern finden, wie in der Nation des Verkünderordens. In den übrigen Ländern Angraenors sind Thalisier selten, denn das Reisen und Entdecken fremder Völker und Kulturen ist etwas, das sie kaum reizt. Wenn Thalisier reisen, haben sie meist gewichtige Gründe dafür. Thalisier, die nur zum Spaß reisen, sind äußerst selten.
In manchen großen Städten der nördlichen Reiche, wie in Grauflucht, Ambreszand oder Trugniss, kann man größere Gemeinschaften von Thalisiern finden, die oft recht zurückgezogen von den anderen Völkern leben. Sie haben einen Hang dazu, unter sich zu bleiben und abgesonderte, verschwiegene Gemeinschaften zu gründen. Das thalisische Viertel in der ornischen Hauptstadt Farghest hat fast den Charakter einer unabhängigen Siedlung innerhalb der Stadt und diese Haltung wird von vielen Herrschern nicht gern gesehen. Das thalisische Viertel von Farghest gilt als Hochburg des Verkünderordens, der in Ornien verboten ist. Allerdings haben viele Thalisier außerhalb Vandelaris, gerade solche, die den radikalen Lehren des Verkünderordens nicht folgen, die ignoranten und elitären Ansichten ihres Volkes abgelegt und bemühen sich um einen friedlichen und harmonischen Umgang mit den anderen Völkern. Allerdings verspüren auch solche toleranten Thalisier - die von vandelarischen Thalisiern nicht selten als verweichlichte Verräter ihrer Traditionen gesehen werden - Berührungsängste zu den nicht-menschlichen Völkern. Dies scheint so tief in der thalisischen Kultur verwurzelt zu sein, daß es nur schwer abzulegen ist. Traditionellere Thalisier lehnen alle nicht-menschlichen Rassen als minderwertig ab und begegnen ihnen mit Ignoranz, Ablehnung oder gar Feindlichkeit.
Auch unter den übrigen menschlichen Völkern sind Thalisier leicht isoliert, denn oft behandeln sie diese wie Menschen zweiter Klasse. Es gibt zwar regelmäßige friedliche Kontakte zwischen Thalisiern und anderen Völkern, doch als Freundschaft ist dies kaum zu bezeichnen. Das Volk, das ein Thalisier am meisten hasst (mehr noch als die Skrigg), sind die Elfen. Da Elfen allerdings nur äußerst selten nach Thalisien kommen, geraten diese Rassen nur selten an einander. Elfische Ebenenwanderer sollten sich allerdings vorsehen, denn durch die Tradition des Geschichtenerzählens und die Allgegenwärtigkeit längst vergangener Zeiten im Bewusstsein des Volkes, verspüren Thalisier auch Jahrhunderte nach der Sklaverei, unter der ihre Ahnen litten, einen glühenden Hass auf Elfen und deren Kultur.

Volksmerkmale der Thalisier
▪ +2 Konstitution, -2 Intelligenz
▪ Volksbonus von +2 auf Rettungswürfe gegen Auswirkungen durch sehr heiße oder kühle Umgebung (→ siehe DMG S.379 & 380).
▪ Anfangssprachen: Handelssprache, Emnisch.
▪ Zusätzliche Sprachen: Enhaeri, Dhraalek.
▪ Bevorzugte Klassen: Alle.

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