Vastarki

Die Vastarki sind ein ruheloses, fahrendes Volk, das mit seinen bunten Wagen und Zelten überall in den angraenischen Reichen anzutreffen ist. Sie sind voller Temperament und Freude und ihr Gesang und ihre Musik schallen über die Ebenen, auf denen sie ihre Lager aufschlagen. Für einen Vastarki ist jedes Wort ein Lied und jeder Schritt ein Tanz. Sie sind herzlich und fröhlich und geheimnisvoll und verschwiegen zugleich und es heisst, nur jene könnten ihre Kultur und Gesellschaft begreifen, in deren Adern ebenfalls vastarkisches Blut fließt.
Woher sie stammen ist unbekannt und selbst die Vastarki wissen das nicht und Gedanken über die Herkunft ihres Volkes erscheinen ihnen nutzlos und überflüssig.
Es mag sein, daß dieses menschliche Volk seit jeher das Leben von Nomaden führte und es schlicht ihre ursprüngliche Lebensweise ist. Vastarki gibt es nicht nur in Angraenor, sondern auch in den Ländern Anghmirs, der Sklesischen Königreiche und des fernen nördlichen Westens.
Sie leben seit Jahrtausenden auf ihre ursprüngliche, traditionelle Weise, doch sie sind alles andere als verbohrte Traditionalisten. Vielmehr meistern sie die Kunst, die Errungenschaften des Fortschritts anzunehmen und sie in ihre althergebrachte Lebensweise zu integrieren. Die Vastarki sind kein Volk, das bedeutende Spuren in der Geschichte der Reiche hinterlässt, doch zweifellos wäre Angraenor stiller, farbloser und weniger geheimnisvoll, wenn es die fahrenden Vastarki nicht gäbe.

Vastarki sind ein großes Volk mit meist bräunlicher, wettergegerbter Haut. Die Farbe ihres Haares reicht von Pechschwarz bis zu einem Kastanienbraun. Nahezu alle Vastarki haben durch ihre Lebensweise schlanke, gesunde Körper und Fettleibigkeit, eine krumme Statur und ähnliche Makel tauchen bei ihnen gewöhnlich nur im Alter auf. Man sagt ihnen Ähnlichkeit mit den Gwandaliern nach, was ihre natürliche Attraktivität betrifft, aber auch mit den Dhraal, deren harte, kantige Gesichtszüge sie oftmals teilen. Vastarki beider Geschlechter tragen ihr Haar meistens lang und bei männlichen Vastarki sind Bärte aller Art sehr beliebt. Sie haben meist volle, wohlklingende Stimmen und es heisst, in jedem Vastarki stecke ein Barde.
Vastarki lieben bunte Kleidung und ihre Mäntel, Hemden und Hosen sind oft kariert und zeigen leuchtende Farben. Oftmals besteht ihre Kleidung auch aus einem Sammelsurium unterschiedlichster Stoffteile und auf viele der sesshaften Völker wirken sie deshalb geflickt und willkürlich zusammengestellt. Auch die langen Schals und Tücher, mit denen sie sich vor Wind und Wetter, Kälte und Hitze schützen, setzen meist aus vielen verschiedenen Farben und Stoffen zusammen. Vastarki verstehen nicht, warum viele sesshafte Völker ihren Aufzug abfällig betrachten, denn sie selbst empfinden die Mode dieser Kulturen oft als farblos und langweilig. Wenn sich ein Vastarki ein solches Kleidungsstück kauft, wird er die Nadel nicht eher ruhen lassen, bevor er dieses nicht mit einigen andersfarbigen Stoffteilen „verschönert“ hat.
Sie lieben Westen, Mützen und Kopfbedeckungen aller Art und weibliche Vastarki tragen nahezu immer Röcke. Ihre Kleidung hat immer eine Vielzahl von Taschen, die oftmals verborgen sind. Beide Geschlechter schmücken sich gern mit auffälligem Schmuck, bevorzugt solchem, der mit Glöckchen, Schellen und anderen klingenden Teilen versehen ist. In einer Gesellschaft von Vastarki verstummt das Klingeln und Klimpern der Schellen, Glocken und Münzen niemals. Was Nicht-Vastarki häufig schon nach kurzer Zeit den Nerv raubt, lieben Angehörige dieses Volkes; ebenso wie Musik, Gesang und Tanz. Vastarki mögen die Stille nicht, fürchten diese jedoch auch nicht. Sie kennen viele Situationen, in denen Stille und Heimlichkeit von Nutzen ist, doch im Alltag bevorzugen sie die Geräusche von Leben und Geschäftigkeit um sich herum. Vastarki singen, summen und pfeifen nahezu immer zu und Musik und Tanz spielen eine überdurchschnittlich große Rolle in ihrer Gesellschaft. Sie sind sehr gesellige, ausgelassene und fröhliche Menschen und Tanz, Gesang und Musik gehört für sie zu jedem fröhlichen Beisammensein dazu. Die steifen Förmlichkeiten und Sitten vieler sesshafter Völker empfinden sie als nutzloses Grauen, das sie meiden wo sie können. Sie reden gern und viel und durch ihr beständiges Reisen und die damit verbundenen Begegnungen mit anderen Völkern und Kulturen, haben sie ein ausgeprägtes Verständnis für Sprachen und erlernen diese leichter, als die meisten anderen Völker. Gleiches gilt für Instrumente. Jeder Vastarki beherrscht mindestens ein Talent und hat eine natürliche Begabung dafür, den Umgang mit fremden Instrumenten zu lernen. Vastarki feiern oft und gern und Tanz ist dabei ein zentrales Element mit spiritueller Bedeutung. Die meisten vastarkischen Tänze sind Gruppentänze und werden zu besonderen Anlässen und Feierlichkeiten aller Art aufgeführt. Aufbruch zu Reisen, das Niederlassen an einem Ort für längere Zeit, Geburten oder auch das Ableben von Familienangehörigen sind nur einige der vielfältigen Anlässe, zu denen getanzt wird.
Ihre Neigung zum Tanz findet sich auch im Kampf wieder. Vastarki werden von ihrer Sippe meist schon in jungen Jahren im Kampf geschult, denn auf ihren Reisen durchqueren die nomadischen Vastarki nicht selten gefährliche Regionen und bei der Verteidigung der Sippe sind sie auf jeden einzelnen angewiesen. Vastarki bevorzugen leichte Waffen, wie Säbel oder Rapiere, die sie mit tänzerischen Bewegungen führen.
Vastarki leben in großen Sippen zusammen, die sich allerdings von den Familien sesshafter Menschenvölker stark unterscheiden. Es sind immer große Gemeinschaften, die allerdings nicht immer und teilweise nur lose durch Blutsverwandtschaft verbunden sind. Vastarki nehmen mitunter Angehörige anderer Völker (und teilweise auch anderer Rassen) in ihre Familien auf, wenn diese Personen ihre Mentalität teilen oder sich auf andere Weise als Bereicherung für die Gemeinschaft erweisen. Ein Aspekt der vastarkischen Sippe, der bei anderen Völkern oft auf Unverständnis oder Empörung trifft, ist die Tatsache, daß sie keine Monogamie kennen. Zwar gibt es unter Vastarki ebenso intensive Liebesbeziehungen, wie bei anderen Völkern, doch der Gedanke sich ausschließlich einem einzigen Partner vorzubehalten, ist ihnen fremd und erscheint ihnen unsinnig. Auch wenn sich zwei Vastarki lieben, verkehren sie auch mit anderen Personen, wenn es ihnen beliebt und Eifersucht ist ihnen in dieser Hinsicht völlig fremd. Heirat ist unter Vastarki ein Bund von Seelenverwandten und keine Grundlage für Monogamie. Dies führt dazu, daß viele Vastarki Kinder mit verschiedenen Partnern zeugen und Blutsverwandtschaft innerhalb der Familie bedeutungslos ist. Es führt eher zu einem verstärkten Gemeinschaftsgefühl gegenüber Außenseitern, denn über mehrere Ecken ist nahezu jeder Vastarki mit einem anderen Familienangehörigen verwandt. Dies führt dazu, daß ein Nicht-Vastarki, der Streit mit einem Angehörigen des Volkes hat, umgehend Streit mit dessen gesamter Sippe hat. Allerdings ist diese Praktik auch immer wieder Grund für ernste Streitigkeiten mit den Angehörigen anderer Rassen, denn ein Vastarki kann es nicht verstehen, warum sich eine Person amourösen Vergnügungen verschließen sollte, nur weil sie verheiratet ist. Zwar haben Vastarki stets ein enges Verhältnis zu ihren leiblichen Eltern, doch es kümmert sich stets die ganze Sippe um die Kinder und Abstufungen von Distanz auf Grund von Verwandtschaftsgraden kennen sie nicht. Auch andere moralische Grenzen sind für sie nicht existent, wie beispielsweise Liebesbeziehungen zwischen Geschwistern.
Die meisten Sippen werden von einem Ältestenrat geführt und in vielen Sippen gibt es einen Seher, der mit verschiedensten Methoden die Zukunft zu deuten vermag. Oft sind dies Hexer oder Psioniker, manchmal aber auch Vastarki, die die Gunst der Wahrsagung beherrschen. Zum Wahrsagen benutzen die Vastarki entweder Knochen, die Därme geschlachteter Tiere, oder auch Harok-Karten; spezielle Karten, die das Volk schon seit Jahrtausenden zur Vorhersage der Zukunft nutzt. Die meisten Vastarki messen den Prophezeiungen ihrer Seher große Bedeutung bei und zollen diesen Personen immensen Respekt.
Magie und Psionik hat einen hohen Stellenwert unter Vastarki und Leute, die diese Künste beherrschen, genießen bei ihnen großes Ansehen. Magier findet man unter Vastarki selten; dafür zeigen sie großes Talent für Zauberei.
Vastarkische Sippen verbringen den größten Teil ihres Daseins auf der Reise. Sie leben von der Natur und der Jagd und lassen sich auf ihren endlosen Reisen von den Jahreszeiten und den Prophezeiungen ihrer Seher leiten. Manche Vastarki führen auch Herden von Nutztieren mit sich, doch sie bleiben selten lang genug an einem Ort, um Landwirtschaft zu betreiben. Auf ihren Reisen fertigen sie Kunsthandwerk an, das sie in den Siedlungen sesshafter Völker verkaufen. Manche Sippen verdienen sich auch ihr Geld als Schausteller und Zirkusleute. Sie lassen sich teilweise Monate an einem Ort nieder oder brechen bereits nach wenigen Tagen zu neuen Reisen auf; je nach den Bedürfnissen der Sippe. Meist leben Vastarki in Planwagen oder geräumigen Zelten, die meist ebenso bunt sind, wie ihre Kleidung. Vastarki besitzen selten mehr, als sie Tragen oder auf einem Wagen mit sich führen können und auch wenn sie Reichtum und Wohlstand erstrebenswert finden, halten sie nichts von einer Überzahl materieller Güter, die sie an einen Ort binden.
Auf Grund ihrer unsteten Lebensweise haben die meisten Vastarki einen Hang zu chaotischen Gesinnungen, doch im Grunde sind alle Gesinnungsvarianten für die vielfältigen Vastarki denkbar.
Die beliebteste Gottheit unter Vastarki ist Klarakni, den die meisten Angehörigen des Volkes als ihren Schutzpatron sehen. Die meisten Vastarki glauben, daß Klarakni selbst ein Vastarki war, bevor er in die Ränge der Götter aufstieg. Kreevalta, die kromanischen Götter und Pulinis sind weitere Gottheiten, die viele Anhänger unter den Vastarki haben, doch auch Skelos, Neldas und Saluku haben unter ihnen Anhänger.

Vastarki stehen fast allen Rassen und Völkern aufgeschlossen gegenüber. Wenn man ihre Lebensweise und Kultur respektiert, kann man überwiegend mit friedlichen Kontakten zu Angehörigen dieses fahrenden Volkes rechnen. Anders herum ist es allerdings nicht immer so. Viele sesshafte Völker sehen sie als zügelloses, unmoralisches und durchtriebenes Volk, das es mit dem Besitz anderer nicht so genau nimmt. Zwar gibt es unter Vastarki tatsächlich Sippen, die sich des Diebstahls und Betrugs bedienen, um zu Wohlstand zu kommen, doch im Verhältnis sind diese nicht von größerer Zahl, als die zwielichtigen Exemplare anderer Völker. Der Grund für das Misstrauen, das Angehörige anderer Völker gegenüber diesen Menschen verspüren, resultiert überwiegend aus der Andersartigkeit der vastarkischen Kultur, die nur wenig mit jener der sesshaften Völker gemein hat. Auch wenn Vastarki anderen Völkern und Kulturen generell tolerant und mit einer gewissen Neugier gegenüber stehen, bevorzugen sie es doch, unter ihresgleichen zu bleiben und begegnen Angehörigen anderer Rassen und Völker oft abweisend. Ihre Wechselhaftigkeit trägt zu diesen Schwierigkeiten bei, denn in einem Moment können sie ausgelassen in einer Taverne feiern und für die Gäste aufspielen und im nächsten Augenblick neugierige Fremde, die ihrem Lager zu nahe kommen, mit barschen Worten vertreiben. Auf Fremde wirkt dieses Verhalten des fröhlichen, ausgelassenen Volkes oft irritierend und beschwört nicht selten den Verdacht herauf, die Vastarki hätten etwas zu verbergen. Diese unterschwellige Ablehnung und Vorsicht erfahren jedoch auch andere Vastarki, für die dies jedoch verständlich ist.
Man kann sie generell in allen Regionen Angraenors antreffen, doch sie meiden Länder, in denen sie in ihrer Freiheit beschnitten werden oder man ihnen feindlich gegenüber tritt (wie beispielsweise in Vandelari). Das Reisen liegt ihnen im Blut und schon nach nur wenigen Wochen an einem Ort verspürt ein Vastarki das Bedürfnis, weiter zu ziehen und etwas Anderes zu sehen. Auch wenn die Vastarki für ihr Leben gern wandern und die Welt sehen, endet ihre Reise oft am Meer. Sie glauben, daß das Meer die natürliche Grenze ihres Lebensraums ist und selbst wenn sich eine Sippe das Übersetzen per Schiff leisten kann, meiden Vastarki für gewöhnlich das offene Wasser. Sesshafte Vastarki, die nicht mit ihrer Sippe leben, sind oft Ausgestoßene oder solche, deren Vorfahren dem Reisen abgeschworen haben (was durchaus vorkommt). Solche Vastarki nehmen häufig zügig die Mentalität ihres neuen Volkes an und passen auch ihre Moralvorstellungen den Gegebenheiten an.

Volksmerkmale der Vastarki
▪ +2 Geschicklichkeit, +2 Charisma, -2 Stärke, -2 Konstitution
▪ Dämmersicht: Vastarki können bei Sternenlicht, bei Mondlicht, im Fackelschein oder unter ähnlich schlechten Lichtverhältnissen doppelt so weit sehen wie Menschen. Sie können unter solchen Umständen weiterhin Farben und Details erkennen.
▪ Volksbonus von +2 Überlebenskunst.
▪ Bardenblut: Auftreten wird für Vastarki, unabhängig von ihrer Klassenwahl, immer als Klassenfertigkeit behandelt.
▪ Sprachgewandt: Vastarki können, unabhängig von ihrem Intelligenzwert, eine zusätzliche Sprache ihrer Wahl auf der ersten Stufe nehmen.
▪ Anfangssprachen: Handelssprache, Emnisch.
▪ Zusätzliche Sprachen: Dhraalek, Anghmarin, Goblin, Skrigg.
▪ Bevorzugte Klassen: Schurke, Hexer.

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